Berlin - „Zu Weihnachten wieder nur rote Socken bekommen?“, wirbt die SPD derzeit in den sozialen Netzwerken, und empfiehlt als Alternative: „Gönn Dir jetzt eine SPD-Mitgliedschaft!“

Die Kampagne bleibt im aktuellen politischen Umfeld offenbar nicht ohne Wirkung. In den Wochen seit dem Wahlsieg von US-Präsident Donald Trump können sich die Sozialdemokraten – ähnlich wie Linkspartei und Grüne – über vergleichsweise viele Neueintritte freuen. Doch zahlreiche Genossen haben ihrer Partei im laufenden Jahr auch den Rücken gekehrt. Noch mehr sind verstorben. So setzt sich unter dem Strich der Abwärtstrend der einstmals größten Volkspartei fort. Auch die CDU verliert. FDP und Grüne können sich in diesem Jahr hingegen erstmals über einen Zuwachs an Mitgliedern freuen.

Ceta-Streit und Lebenslauf-Affäre schaden der SPD

Der parteiinterne Streit über das Freihandelsabkommen Ceta und die Affäre um den gefälschten Lebenslauf der Ex-Bundestagsabgeordneten Petra Hinz haben nach Einschätzung von Beobachtern die SPD im laufenden Jahr massiv geschadet. Die CDU litt unter dem Streit über die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin. Zudem ist bei beiden Parteien die Mitgliedschaft überaltert. So schrumpfte nach Angaben des Konrad-Adenauer-Hauses die Zahl der eingetragenen Unterstützer bis Ende November um etwa 10.300 auf 434.019. Das entspricht einem Minus von 2,3 Prozent.

Bei der SPD sehen die Zahlen nur auf den ersten Blick besser aus. Das Willy-Brandt-Haus operiert nämlich mit einer veralteten Mitgliederzahl vom Juni. Damals gab es noch rund 436.000 Genossen. Neuere Zahlen wollte die Pressestelle trotz mehrfacher Nachfrage dieser Zeitung nicht nennen. Angeblich liegen die Daten – anders als in den vergangenen Jahren – noch nicht vor. Tatsächlich dürfte sich der Schrumpfungsprozess fortgesetzt haben, weil Austritte und Todesfälle die Neueintritte deutlich übersteigen.

NRW-SPD schrumpft

Im mitgliederstärksten Landesverband Nordrhein-Westfalen ist die Statistik auf dem neuesten Stand: Dort sank die Mitgliedszahl vom Jahresbeginn bis Ende November um 4.400 auf 108.200. Das ist ein Rückgang um 3,6 Prozent. Parteienkenner erwarten daher, dass die SPD zum Jahreswechsel weiter hinter der CDU rangiert.

Die CSU konnte von ihrer massiven Kritik an der Flüchtlingspolitik der Kanzlerin offenbar nur bedingt profitieren. Sie verlor 2016 mehr als 1000 Mitglieder und kam Ende November noch auf rund 143.000 Unterstützer. Allerdings hat sich das Tempo des Rückgangs gegenüber den beiden Vorjahren etwas verlangsamt. Ähnlich geht es der Linkspartei, die noch 58.645 Mitglieder zählt. Das ist ein Rückgang um 0,6 Prozent. In den beiden Vorjahren musste die Linke Einbrüche von 5,0 und 2,6 Prozent verkraften.

Trendwende bei der FDP, größter Zuwachs bei der AfD

Der FDP, die seit dem Beginn der schwarz-gelben Koalition 2009 jedes Jahr Mitglieder verloren hat, ist unter der großen Koalition eine Trendwende gelungen. Erstmals zeigt die Kurve bei den Liberalen nach oben. Sie gewannen rund 600 Unterstützer (1,1 Prozent) und kommen nun auf 53.800 Mitglieder. Ein deutlich größeres Plus von 2,3 Prozent können die Grünen verzeichnen. Offenbar sorgt die Urwahl des Spitzenkandidaten für Rückenwind. Mitte November zählte die Parteizentrale  60.775 Mitglieder. Das jahrelange Rennen zwischen Linkspartei und Grünen um den Rang als drittstärkste Kraft ist damit wohl endgültig zugunsten der Ökopartei entschieden.

Den mit Abstand größten Zuwachs im abgelaufenen Jahr konnte aber die AfD verzeichnen. Nachdem die rechtspopulistische Partei durch ihre Spaltung 2015 von 20.728 auf 16.385 Mitglieder geschrumpft war, meldet sie nun einen neuen Rekordstand von etwa 26.000 Mitgliedern.