Berlin - Diversität bei der CDU bedeutet, dass für den Parteivorsitz nicht nur Männer aus Nordrhein-Westfalen kandidieren, sondern auch ein Mann aus Hessen. Das ist die ernüchternde Schlussfolgerung der vergangenen Woche. Wobei es sich hier noch nicht mal um eine offizielle Erkenntnis handelt. Denn von den drei möglichen Konkurrenten um den Parteivorsitz hat erst einer klar und deutlich gesagt, dass er antritt. Norbert Röttgen, der bereits am Jahresanfang gegen Armin Laschet und Friedrich Merz kandidierte, will nun noch einmal versuchen, die Partei für seinen Mitte-Kurs zu erwärmen.

Aus einem politisch ähnlichen Lager - aber aus Hessen! - kommt Helge Braun, der am Freitag ebenfalls erklärte, dass er antritt. Zögerlicher ist Friedrich Merz. Er neige dazu, es noch einmal zu versuchen, hieß es von ihm bisher. Da will sich offenbar einer erst mal noch schön bitten lassen. In der Partei ist es aber ein offenes Geheimnis, dass Friedrich Merz nun seine Chance nutzt. Die ist größer denn je, denn dieses Mal wählen keine Delegierten, sondern die Basis ihren neuen Vorsitzenden. Und dort ist Merz ziemlich populär. Kein Wunder, die meisten der 400.000 CDU-Mitglieder sind männlich, weiß und über 50.

Und genau das ist der Grund, warum mit ziemlicher Sicherheit keine Frau antreten wird. Die Bewerbungsfrist läuft zwar noch bis zum 17. November, doch alle, die man fragt und die in Frage kommen könnten, winken ab. Letztlich wird es also vermutlich auf einen Zweikampf zwischen Merz und Röttgen hinauslaufen. Die beiden Kandidaten liegen im Alter nur zehn Jahre auseinander, dennoch mutete das Duell wie ein Kampf zwischen gestern und morgen an. Röttgen präsentiert sich als Kandidat, der Frauen, Ostdeutsche, die Jugend und die Klimadebatte mit einbeziehen will. Merz dagegen steht für das Revival der 90er-Jahre, das ist ungefähr die Zeit, in der er aus der aktiven Politik ausgeschieden ist, nachdem Angela Merkel ihn vom Fraktionsvorsitz abgesägt hat.

Sollte er gewählt werden, wäre er mit Sicherheit der nächste Übergangsvorsitzende. Oder kann sich irgendjemand vorstellen, dass Merz in vier Jahren ein strahlender Kanzlerkandidat wird – mit dann 70 Jahren? Es scheint so, als hätte die CDU noch eine Weile mit sich selbst zu tun.