Berlin - Einen kleinen Raum hat Annegret Kramp-Karrenbauer gewählt für einen Auftritt, der ein großer sein soll. Der Veranstaltungsraum in der saarländischen Landesvertretung muss herhalten, am Rande des Berliner Politikviertels. Es ist das nächste Kapitel im Wettbewerb um den CDU-Vorsitz. Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz hat bei seiner ersten Pressekonferenz in Berlin den riesigen Saal der Bundespressekonferenz gefüllt, von dem aus man über die Spree hinweg das Kanzleramt im Blick hat. Auch Kramp-Karrenbauers Saal ist gut gefüllt, aber es gibt auch nur vier Stuhlreihen.

„Großes entsteht im Kleinen“, sagt der Generalsekretär der Saar-CDU, der Kramp-Karrenbauer begleitet. Sie selbst sagt, in der saarländischen Landesvertretung trete sie an diesem Tag „als Gast und Mieterin“ auf. Es ist ihr zweiter Satz. Ein knappes Rennen wird erwartet in der CDU zwischen Kramp-Karrenbauer und Merz. Lieber gar nicht erst in die Defensive kommen.

„Dies ist der Ende einer Ära“, sagt Kramp-Karrenbauer. Und: „Diese CDU, meine CDU, ist eine großartige Partei.“ Am Rande des Regierungsviertels also beendet Kramp-Karrenbauer die Amtszeit von Angela Merkel noch einmal, und deutlicher als andere. Eine Ära ist zu Ende und die CDU ist schon die ihre.

In der hat sie die Rollen schon verteilt. Auch für die anderen beiden Kandidaten hat Kramp-Karrenbauer sich schon Aufgaben überlegt. Spahn, sagt sie, solle bitte in seinen bisherigen Funktionen bleiben, als Gesundheitsminister und Präsidiumsmitglied. Seine Mitarbeit sei doch an diesen Stellen gut. Und Merz? „Ein unbestrittener Experte“ sei der, sagt Kramp-Karrenbauer.

Es ist der Hinweis: Sie ist die die für den großen Überblick, er ist vielleicht ein guter Finanzminister. Die Steuererklärung, die auf einen Bierdeckel passt, hat Merz vor über 15 Jahren mal proklamiert, vor seinem Rückzug aus der Politik. Das Stichwort begründet immer noch einen Teil seines Ruhms. „Wenn wir es schaffen, den Bierdeckel beiseite zu legen und eine Steuerapp zu entwickeln, wäre das ein großartiges Angebot“, findet Kramp-Karrenbauer.

Kramp-Karrenbauer verkauft ihre Vorteile sehr offensiv

So ist es an vielen Stellen: Die Haken kommen weich verpackt. „Ich stehe nur für mich selbst“, sagt Kramp-Karrenbauer auf die Frage, wie sie sich von anderen unterscheide. „Ich führe keinen Wahlkampf gegen andere. Ich mache der Partei ein Angebot.“

Ganz diplomatisch klingt das. Aber ihre Vorteile verkauft sie sehr offensiv: Wahlen im Saarland gewonnen, knapp 18 Jahre Regierungserfahrung, den „Dienst an der Partei“ durch den Wechsel aus der saarländischen Staatskanzlei in die CDU-Zentrale im Februar. Die Nähe zur Parteibasis: Über 40 Veranstaltungen habe sie in den vergangenen Monaten in der CDU bewältigt. Sie habe dabei den Stolz, Frust, Sorge, Verunsicherung der Mitglieder gespürt. Und noch eines: Dass die Partei „den Zusammenhalt über das Trennende“ stellen wolle. Die Versöhnerin gibt sie da und die, die immer dabei geblieben ist. Nicht die Stichworte, die sich mit Merz verbinden.

Digitalisierung und Sicherheit stehen auf der Themenliste

Als Mini-Merkel kritisieren sie ihre Gegner. Merkel habe die CDU auch nachhaltig geprägt, aber so ein Kapitel könne man „nicht beliebig fortsetzen“. Es könne nicht mehr so sein, dass die Partei nur zur Kenntnis nehmen könne, was in der Regierung entschieden werde, sagt Kramp-Karrenbauer. „Diese Methode passt nicht mehr in die Zeit.“ Es ist der Versuch, Abrechnung mit und Brückenschlag zu Merkel zusammenzubringen.

Ein paar inhaltliche Punkte hat sich Kramp-Karrenbauer auch noch notiert: Digitalisierung, Sicherheitspolitik und das Heimatgefühl der Menschen. Sie gerät da ein wenig ins Schwurbeln. Die Klimapolitik, die erwähnt sie schnell auch noch. Zur Migrationspolitik sagt sie auf Nachfrage, es handele sich um ein wichtiges Thema. „Aber Vertrauen in innere Sichehreit gewinnen wir nicht durch scharfe Töne und schrille Zuspitzung.“ Das ist der Gruß an Jens Spahn.

Ihr Amt als Generalsekretärin werde sie in jedem Fall aufgeben, sagt Kramp-Karrenbauer noch. Egal was passiert: Sie wird auf diesem Posten eine sehr kurze Ära begründet haben. (rnd)