Berlin - Nach dem Parteitag ist vor dem Rangeln um die Kanzlerkandidatur. Am Sonnabend ist Armin Laschet zum neuen CDU-Vorsitzenden gewählt worden. In einem Wahljahr wie diesem ist das aber nur ein Etappensieg. Noch sind nicht einmal die Briefwahlstimmen im Konrad-Adenauer-Haus ausgezählt, die Laschets Wahl juristisch wasserfest machen, da geht es schon um die nächste Hürde, die er nehmen muss.

Der CDU-Vorsitzende hat immer auch den Anspruch auf die Kanzlerkandidatur für seine Partei. So war es jedenfalls in der Vergangenheit. Wenn dieser Satz gesagt oder geschrieben wird, dann nicht selten mit dem Zusatz, der Anspruch sei „naturgemäß“. Aber nach diesem Pandemiejahr ist gar nichts mehr „naturgemäß“. Wer hätte zum Beispiel vor einem Jahr gedacht, dass sich ausgerechnet Markus Söder, der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende, zu einem der populärsten Politiker entwickeln würde? Er ist für Armin Laschet nicht der einzige, aber der ernsthafteste Konkurrent um die Kanzlerkandidatur. Noch so etwas, was vor zwölf Monaten unmöglich schien.

Die Sache soll erst um Ostern herum entschieden sein, aber natürlich werden Laschet und Söder ab sofort unter besonderer Beobachtung stehen. Zum Beispiel am Dienstag. Dann treffen sich die Länderchefinnen und -chefs wieder mit der Kanzlerin, um weitere Corona-Maßnahmen zu beschließen. Söder ist in Sachen Pandemie einer der wichtigsten Merkel-Unterstützer. Was wird Laschet tun, der ja in der CDU explizit als Merkel-Mann angetreten ist? Sich abgrenzen um der Abgrenzung willen?

Armin Laschet: Wechselt er jetzt nach Berlin?

Für sich selbst muss der neue CDU-Vorsitzende aber auch einige Entscheidungen treffen oder zumindest ins Auge fassen: Wechselt er ganz nach Berlin? Wenn ja – wann? Erst als Kanzlerkandidat oder schon eher? Will er in den Bundestag? Wie und wann regelt er eine eventuelle Nachfolge in Nordrhein-Westfalen?

All das wird Auswirkungen auf die Schlagkraft der Partei haben – zumindest aber darauf, wie sicher der neue Parteichef im Sattel sitzt. Annegret Kramp-Karrenbauer hatte seinerzeit ihr Ministerpräsidentenamt freiwillig abgegeben, um erst einmal als CDU-Generalsekretärin nach Berlin zu gehen. Die sorgfältig geplanten Schritte haben ihr letztlich nichts genutzt. Laschet wird womöglich auf Nummer sicher gehen und einen kompletten Wechsel nach Berlin erst so spät wie möglich durchziehen.

Damit aber bleibt die Partei auch nach der Vorstandswahl weiter im Übergang. Hinzu kommt, dass unklar ist, wie sich der unterlegene Konkurrent verhalten wird. Friedrich Merz hat zwar zum zweiten Mal hintereinander verloren, doch einmal mehr gezeigt, dass seine Gefolgschaft in der Partei keine kleine ist. Sein Verhalten nach den beiden Wahlgängen am Sonnabend lässt darauf schließen, dass sich die CDU auf weitere Zwischenrufe von der Seitenlinie gefasst machen muss. So wie nach der Wahl von AKK 2018.

Trotzdem hat Laschet eine bessere Ausgangsposition als die Saarländerin, deren Weg von der Hoffnungsträgerin zur glücklosen und isolierten Parteichefin im Zeitraffer erfolgte. Der NRW-Ministerpräsident hat das Glück, dass er eher unterschätzt wird. Kann der Kanzler? In dieser Frage schwang das Nein ja immer schon mit. Vergessen wird dabei, dass der Angela Merkel von 2005 ganz sicher nicht zugetraut worden wäre, die Kanzlerin Merkel von 2021 zu beerben.

Nach dem CDU-Parteitag: Der Wahlkampf beginnt

Laschet hat in seiner Rede vor den Delegierten von allen drei Kandidaten die größte Nervenstärke gezeigt. Das Flatternde und Unsichere, das er in den vergangenen Monaten oft an den Tag gelegt hatte, war am Sonnabend wie weggewischt. Das heißt noch nicht, dass Laschet der Mann ist, um den sich am Ende alle scharen, wenn die Union in die Bundestagswahl zieht. Es zeigt aber, dass es durchaus noch Überraschungen geben kann.

Der Parteitag der CDU hat allerdings in einer Hinsicht für Klarheit gesorgt, auch wenn das noch keiner der Verantwortlichen zugeben möchte: Der Wahlkampf im Superwahljahr 2021 hat begonnen. Das ist denkbar ungünstig, weil wir noch mitten in der Pandemie stecken und sämtliche Maßnahmen besser unter wissenschaftlichen als parteipolitisch gefärbten Erwägungen getroffen werden sollten. Doch Baden-Württemberg zeigt, dass das ein Wunschtraum ist. Dort wird im März gewählt. Und die streitbare CDU-Kultusministerin setzt sich beim Thema „Schulöffnungen – ja oder nein“ lautstark von ihrem grünen Ministerpräsidenten ab. Derlei Vorfälle werden sich häufen. Bleibt nur zu hoffen, dass Corona nicht das einzige Wahlkampfthema sein wird.