CDU-Wahlkampfzentrale „Connenct 17“ vorgestellt - Türenklingeln zum Üben

Das Gerüst für ein Gartenhäuschen hat die CDU in ihre Parteizentrale gebaut, mit einer Tür aus hellem Holz. Ein großer Bildschirm ist hinter der Tür installiert, drei verschiedene Typen können einem da als Film begegnen: der skeptisch-unentschlossene Student, der brüllende mittelalte Politikverdrossene, und die begeisterte Merkel-Fan-Frau, die gleich einen Kaffee anbietet.

Das Türenklingen soll den Sieg bringen

Hier soll der Haustür-Wahlkampf geübt werden, auf den die CDU in diesem Wahljahr massiv setzt. „Connect 17“ haben sie das Projekt genannt, per Handy-App versucht man in der Parteizentrale die Übersicht zu behalten. Im Saarland, so behauptet die CDU, habe das Türenklingeln entscheidend zum Wahlsieg beigetragen.

Ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl hat sich CDU-Generalsekretär Peter Tauber entschlossen, Teile seiner Wahlkampfzentrale vorzustellen. Es wirkt wie eine Antwort auf die Beschwerden aus der Partei, dass man den Wahlkampf doch nicht der SPD und ihrem Kanzlerkandidaten Martin Schulz überlassen könne, der seit seiner Nominierung im Januar auf Attacke setzt.

Es gibt also diese halbe Etage im zweiten Stock der Berliner Parteizentrale mit dem Gartenhausgerüst samt Tür, mit einem kleinen Fernsehstudio, vielen Bildschirmen, einem Getränkekühlschrank. Locker soll es wohl wirken: das Sofa ist knallgrün, in einer Ecke steht ein Stoffzebra. Hier sitzen die, die sich um den Auftritt der CDU in den sozialen Netzwerken kümmern – also auch mögliche Falschnachrichten erkennen und gegensteuern müssen. An einer Wand hängt das Plakat: „Cool bleiben und Kanzlerin wählen.“

Angela Merkel ist kein Sieges-Garant mehr

Vielleicht braucht man diese Ermutigung manchmal. FDP-Chef Christian Lindner hat gerade am Wochenende noch einmal bekundet, dass seine Partei offen sei für eine Ampelkoalition mit SPD und Grünen. Und die nächsten Landtagswahlen, im Mai in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen, könnten für die CDU in einer Niederlage enden. Angela Merkels Beliebtheit ist zwar noch groß, hat aber gelitten. „Ihr dürft euch nicht mehr auf das Plakat von Angela Merkel am Bahnhof verlassen, ihr müsst selber laufen“, schärft Tauber seinen Wahlkämpfern ein. Jean-Remy von Matt, der mit seiner Agentur die Wahlwerbung entwirft, sagt mit Blick auf die letzte Bundestagswahl: „2013 war nicht der spannendste Wahlkampf der Welt. Das letzte Mal ging es darum, keine Fehler zu machen. Das wäre dieses Mal zu wenig.“

Also wird an Türen geklingelt. Bis zu 20 Türen sollen Wahlkämpfer pro Stunde schaffen, pro Tür sind ein bis zwei Minuten eingeplant. Also: nicht Kaffeetrinken, nicht lange rumdiskutieren, nur an die Wahl erinnern. Die fleißigsten unter den CDU-Wahlkämpfern können sich auf ihrer App die Titel Hansdampf in allen Gassen oder Marathonläufer verdienen, für 60 beziehungsweise 120 Türen.

Ein Anruf der Kanzlerin als Belohnung

Die Siegerprämie für die zehn besten: ein Anruf von Angela Merkel. An der Übungshaustür läuft es übrigens so: Die Merkel-Freundin schwärmt, der Wütende droht mit der Polizei und der Unentschlossene fragt nach kurzer Zeit begeistert nach mehr Info-Material. Merkel hat die Wahlkämpfer auch bereits besucht und unter anderem bei dem Stoffzebra halt gemacht und einmal über die Mähne gekrault. „Das ist unser Sympahtieträger“, hat einer von der Truppe es vorgestellt. „Hat es schon einen Namen?“ hat Merkel zurückgefragt. Das Zebra heißt Zack.

„Hier sind alle so gut gelaunt und motiviert“, schwärmt Tauber von seinen Wahlkampfleuten. Auf dem Bildschirm hinter ihm läuft der Fernsehbericht über eine Pressekonferenz der SPD-Familienministerin Manuela Schwesig, die familienpolitische Vorschläge macht – für den Wahlkampf. Irgendwann während Tauber spricht, wird der Fernseher abgeschaltet.