Die Zukunft der CDU: Bundestagsabgeordneter Philipp Amthor (27, links) und JU-Vorsitzender Timan Kuban (32)
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BerlinIn der Schule nahm ich an der Veranstaltung „Jugend und Parlament“ teil. Bundestagsabgeordnete luden dafür Jugendliche ein, die zwei Tage in Berlin den parlamentarischen Alltag erproben konnten, in Arbeitsgruppen und Debatten im Plenum. Auf seinen Gruß am ersten Tag schallte dem damaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse ein artiges „Guten Morgen“ aus mehreren Hundert Kehlen entgegen. 

Es war ein rührender und befremdlicher Moment. Aber zwölf Schuljahre mit kollektivem Pflichtgruß am Morgen hinterlassen eben ihre Spuren.

Noch befremdlicher war allerdings, dass – wie sich bald herausstellte – das geschmetterte „Guten Morgen“ zu den wenigen Dingen gehörte, die sich vom gewohnten Parlamentsalltag unterschieden. So setzten sich die Schülerinnen und Schüler brav auf die Plätze im Plenarsaal, die sich auch die einladenden Abgeordneten ausgesucht hätten: Linke ganz links, dann die SPD und so weiter.

So viele 18-Jährige im Anzug

Auch optisch ließen sich viele Jungparlamentarier ihrer politischen Gesinnung zuordnen – so viele 18-Jährige im Anzug wie im CDU-Flügel habe ich selbst beim Abiball nicht gesehen. In den Ausschüssen ging es bei den „grünen“ Schülern um Umweltschutz, bei der FDP um Wirtschaft, und als am Ende eine gemeinsame Resolution gegen Rechtsradikalismus verabschiedet werden sollte, bestanden die CDU-Miniaturen darauf, dass darin auch der Begriff „Linksradikalismus“ auftauchte.

Nun könnte man einwenden, dass es sich um ein Parlament von Schülern handelte und sich diese an dem orientierten, was sie schon mal gesehen hatten. Die meisten hatten keine politische Erfahrung und waren auch nicht Mitglied einer Partei-Jugendorganisation. Dort geht es ja anders zu, nicht wahr?

Die Erfahrung zeigt, dass das – wenn überhaupt – auch heute nur sehr eingeschränkt gilt.

Der Altersdurchschnitt im Bundestag liegt bei 50

Der Altersdurchschnitt im Bundestag liegt derzeit bei knapp unter 50 Jahren. Vielleicht kann man selbst vom progressivsten 50-Jährigen nur eingeschränkt verlangen, sich in die Lebenswelt der Unter-30-Jährigen zu versetzen. Nachwuchspolitikern hingegen sollte besonders bewusst sein, was es heißt, wenn etwa der Klimawandel die Lebensgrundlage kommender Generationen zerstört.

Beim CDU-Parteitag am Wochenende hielt auch Tilman Kuban, Vorsitzender der Jungen Union, eine Rede, in der er sagte: „Solange diese Grünen den Regenwald für Tofu-Wurst abholzen lassen, haben die unseren Bauern nichts zu sagen.“

Vielleicht weiß Kuban wirklich nicht, dass nicht der Soja-Anbau für Tofu den Regenwald schwinden lässt, sondern der für die Tierfutterproduktion. Wahrscheinlicher ist, dass es ihm egal ist.

Profilschärfung um jeden Preis

Wer in einer Partei etwas werden will, der muss – wie es heißt – sein Profil schärfen. Das geht bei der CDU offenbar immer noch gut, indem man sich möglichst rückwärtsgewandt gibt.

Im Fall von Kuban ist das nicht nur deshalb ärgerlich, weil er Unwahrheiten verbreitet. Es ist auch ärgerlich, weil er, statt wirklich Wichtiges anzusprechen, Polemik mit Konservativismus verwechselt.

Da wäre es dann doch besser gewesen, er hätte nur artig „Guten Morgen“ ins Mikro gerufen. Das wäre zudem auch noch höflicher gewesen.