Paris - In Paris hat es unmittelbar vor der französischen Präsidentschaftswahl einen tödlichen Angriff auf Polizisten gegeben. Auf dem Prachtboulevard Champs-Élysées kam es am Donnerstagabend zu einer Schießerei, bei der ein Beamter getötet wurde. Zwei weiterere Polizisten wurden verletzt.  Das sagte der Sprecher des Innenministeriums, Pierre-Henry Brandet, am Donnerstagabend im Sender BFMTV der Deutschen Presse-Agentur. Der Angreifer sei „neutralisiert“ worden. Zu den Hintergründen der Tat gab es zunächst keine Informationen.

Die Attacke habe sich gegen 21.00 Uhr abgespielt. Ein Auto habe neben einem Polizeiwagen gehalten, ein Insasse des Wagens habe das Feuer eröffnet. Anschließend habe er nach ersten Informationen versucht, zu Fuß zu fliehen, und habe dabei auf weitere Polizisten geschossen und zwei verletzt. Die Beamten hätten ihn niedergeschossen. Die Polizei rief dazu auf, den Bereich zu meiden.

Der Mann habe wohl eine automatische Waffe benutzt. Es sei noch zu früh, um etwas zum Motiv des Angreifers zu sagen. Ein Polizeigewerkschafter sagte nach Angaben des Senders BFMTV, derzeit werde weder ein krimineller Hintergrund noch ein Terrorakt ausgeschlossen.

Zweiter Angreifer womöglich auf der Flucht

In Frankreich gilt nach einer beispiellosen Terrorserie der Ausnahmezustand. Auf Fernsehbildern war zu sehen, dass die Champs-Élysées komplett gesperrt wurden. Zahlreiche Polizisten waren vor Ort.

Zu dem Angriff hat sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannt. Der Angriff sei von dem IS-Kämpfer „Abu Yussef der Belgier“ verübt worden, teilte die Agentur Amaq, das Propaganda-Sprachrohr des IS, am Donnerstag in einer Erklärung mit.

Die Zeitung „Le Figaro“ berichtete, es habe einen zweiten Angreifer gegeben, der womöglich auf der Flucht sei. Der Sprecher des französischen Innenministeriums, Pierre-Henry Brandet, gab bekannt, dass es nach ersten Erkenntnissen jedoch nur einen Angreifer gab. Das gehe aus ersten Zeugenaussagen hervor. Man könne aber nicht ausschließen, dass es einen oder mehrere Komplizen gebe, die in irgendeiner Weise an der Tat beteiligt waren.

„Keine weiteren Vorfälle dieser Art in Paris“

Außerdem betonte Brandet, dass es keine weiteren Vorfälle „dieser Art“ in Paris gegeben habe. Er rief am Donnerstagabend vor Journalisten zu Vorsicht wegen kursierender Gerüchte auf. „Es gibt heute Abend ein einziges Ereignis dieser Art in Paris, es gibt keine anderen Aktionen“, sagte der Sprecher. Er widersprach auch Berichten, wonach ein zweiter Polizist gestorben sei.

Die Polizei hatte erst am Dienstag in Marseille zwei mutmaßliche Islamisten festgenommen, in deren Wohnung ein Waffenarsenal versteckt war. Laut Anti-Terrorstaatsanwalt François Molins drohte ein Anschlag in den nächsten Tagen.

Die Sicherheitsmaßnahmen wurden daraufhin verstärkt. Die Antiterror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen. Dies teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstagabend in der französischen Hauptstadt mit.

Sicherheitsmaßnahmen wurden verstärkt

Innenminister Matthias Fekl hatte bereits angekündigt, dass die Präsidentenwahl an diesem Sonntag von 50.000 Polizisten und Soldaten geschützt werden soll. Die entscheidende Stichwahl ist für den 7. Mai geplant.

Nach dem mutmaßlichen Anschlag auf Polizisten im Zentrum von Paris haben zwei aussichtsreiche Präsidentschaftskandidaten ihre Wahlkampfauftritte für Freitag abgesagt. Der konservative Kandidat François Fillon und die Rechtspopulistin Marine Le Pen kündigten am Donnerstagabend die Annullierung ihrer geplanten Wahlkampfauftritte an. Auch Präsident François Hollande sagte einen für Freitag geplanten Besuch in der Bretagne nach Angaben seines Umfeldes ab.

Beim ersten Wahlgang wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Rechtspopulistin Marine Le Pen mit dem Mitte-Links-Kandidaten Emmanuel Macron erwartet. (afp, red, dpa)