Komplexe Materie.
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BerlinDer Chaos Computer Club warnt vor einer zentralen Speicherung von Daten in einer geplanten Corona-Warn-App. Das vom Robert Koch-Institut mit entwickelte Konzept PEPP-PT (Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing) sei nicht in der Lage gewesen, "schnell eine halbwegs funktionierende und datenschutzfreundliche Lösung zu liefern", schreibt das Netzwerk in einem auf seiner Website veröffentlichten Brief an das Bundeskanzleramt.

Der Chaos Computer Club verwies auf die Schweiz und Österreich, wo die Regierungen für ähnliche Apps auf "dezentrale und transparente Konzepte" setzten. Zudem seien beim dort verfolgten Ansatz auch Google und Apple als Anbieter von Smartphone-Betriebssystemen bereit zur Kooperation.

Eine solche App würde auf das Smartphone aufgespielt. Sie kann eine - möglichst vom Gesundheitsministerium bestätigte - anonymisierte Warnung an Menschen versenden, die Kontakt zu Infizierten hatten. Das würde über einen Datenaustausch zwischen den Handys von Menschen funktionieren, die die App nutzen.

"Die Bundesregierung hat großes Vertrauen in das System, was derzeit bei Fraunhofer getestet wird", sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer. Das Fraunhofer-Institut führt eine Machbarkeitsstudie zum vom Chaos Computer Club kritisierten PEPP-PT-Konzept durch. "Wichtig ist uns, dass es schnell kommt, aber dass es auch freiwillig ist und datenschutzkonform ist und unseren Vorstellungen von IT-Sicherheit entspricht." Zudem müsse es "epidemiologisch sinnvoll" sein.

Am Ende werde das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hier eine Empfehlung abgeben, sagte Demmer. "Bei einem zentralen Server, müssen Sie demjenigen vertrauen, der ihn pflegt, also in diesem Fall dann möglicherweise einer staatlichen Stelle. Bei einem dezentralen System müssen Sie Apple und Google vertrauen, die das dann pflegen."