Das Neun-Euro-Ticket könnte der Insel Sylt einen turbulenten Sommer bescheren. In den sozialen Netzwerken rufen linke Aktivisten und Aktivistinnen zu den „Chaostagen Sylt 2022“ auf.

In einer Veranstaltungs-Gruppe auf Facebook heißt es: „Kommt alle mit dem ‚9 Oiro Ticket‘ nach Sylt und lasst es krachen.“ Die Veranstaltung hat inzwischen mehr als 3000 Zusagen, mehr als 11.000 Menschen sind interessiert.

Schon lange hatte man sich im Netz über die Befürchtungen der Insel-Bewohner lustig gemacht, mit dem ab Juni gültigen Neun-Euro-Ticket käme ein regelrechter Ansturm auf sie zu. Der Chef der kommunalen Marketinggesellschaft, Moritz Luft, hatte kürzlich in einem Interview gesagt, man sei für einen solchen „nicht gerüstet“. In den Sommermonaten sei Sylt ohnehin zeitweise schon an der Kapazitätsgrenze.

Das 9-Euro-Ticket könnte den Zugverkehr nach Sylt überlasten

Er bezog sich damit auf die meist überlastete Verkehrsinfrastruktur. Schon zu normalen Zeiten sind die Züge nach Sylt oft brechend voll. Auch Lebensmittel werden mit ihnen auf die Insel geschafft.

Im Netz aber reagierten viele User auf die Äußerungen Lufts mit Spott und Häme, teilweise auch mit Verachtung. Die Insel der Reichen, so schrieben einige, fürchte sich vor der Low-Budget-Kundschaft.

Der Bürgermeister der Insel, Nickolas Häckel, reagierte entspannt auf die Reaktionen im Netz. „Ich glaube, das wird sich noch abkühlen“, sagte er in einem Interview. Er nehme nicht an, dass alle kämen, die das gerade im Netz ankündigten. Man richte sich dennoch auf ein erhöhtes Besucheraufkommen ein.

Polizei auf Sylt: „Wir beobachten die Entwicklungen“

Doch nun sieht es so aus, als könnten sich die Sorgen der Insel-Bewohner durchaus bewahrheiten. „Hey Leute, lasst uns am Samstag zusammen mit Dosenbier und Hunden nach Sylt fahren und die Juppies ärgern“, heißt es in der Chaostag-Gruppe.

Dass dies durchaus ernst gemeint sein könnte, zeigt auch eine Äußerung der Sprecherin der Linksjugend Solid. In einem Gastbeitrag in der Zeit schreibt sie: „Mit Sylt soll ein Stück Land zurückerobert werden, das eigentlich uns allen gehört. Und es sollen die Bedingungen verändert werden, die Sylt möglich machen.“

In der für die Insel zuständigen Polizeidirektion Flensburg beobachtet man diese Entwicklungen „ruhig und gelassen“, wie ein Sprecher der Berliner Zeitung mitteilte. Die Darstellungen, die im Internet kursierten, seien ja „durchaus witzig gestaltet“. Bislang gebe es wegen der „Chaostage“ aber noch nichts vorzubereiten.