Charles Ramsey ist der Nachbar, dem die drei in einem Haus in Cleveland gefangen gehaltenen Frauen ihre Befreiung zu verdanken haben. Über Nacht ist er zum Helden und zur Kultfigur geworden; Videos davon, wie der Tellerwäscher von seiner Heldentat berichtet, wurden auf YouTube seit Montag hunderttausende Mal angeklickt und über Twitter verbreitet.

Auch angebliche Original-Aufnahmen seines Anrufs bei der Notrufzentrale verbreiten sich wie ein Lauffeuer. „Hey Bruder! ...Diese Braut hier versucht gerade, aus der verdammten Küche auszubrechen" - so und so ähnlich erklärt Ramsey seinem Gegenüber fast zwei Minuten lang das Problem. Gegenfrage: Braucht die Frau einen Krankenwagen? Ramsey: „Sie braucht alles, Bruder, ich denke, sie wurde gekidnappt. Also versetzen Sie sich doch mal in ihre Situation."

„Ein echter Held"

Nach der Befreiung erzählt Ramsey seine Geschichte noch einmal vor den Fernsehkameras amerikanischer Reporter. Er habe gerade seinen Hamburger gegessen, als er eine Frau schreien hörte. Und als sich „dieses hübsche kleine weiße Mädchen in die Arme eines schwarzen Mannes warf", spätestens da habe er gewusst, dass etwas nicht stimmt. Das Zitat ist im Internet bereits Kult; wenige Stunden nach dem Bekanntwerden mixen Spaßvögel die ersten Song-Versionen.

Ramsey wirkt in seinen Auftritten sichtlich übermüdet. Er könne nicht schlafen, sagt er, ihn treibe der Gedanken um, dass er das Mädchen womöglich auch schon früher hätte befreien können. Ob er auf eine Belohnung hoffe? „Wissen Sie was, geben Sie die dem Mädchen", sagt Ramsey. Er habe ja schon einen Job.

Das schicke Restaurant Hodge's, in dem Ramsey als Tellerwäscher arbeitet, zeigt sich auf seiner Facebook-Seite stolz auf ihn. „Er ist ein echter Cleveländer Held“, hieß es. Restaurantkunden verlangen unterdessen, Ramsey mindestens eine Gehaltserhöhung zu spendieren. Für Verhandlungen in dieser Sache ist es für Ramsey ganz sicher kein schlechter Moment. (afp/jon)

Hier hören Sie den Notruf Romseys (Englisch, mit Untertiteln):