Wien/Berlin - Der Attentäter von Christchurch hat an anscheinend einem europäischen Rechtsextremen Geld gespendet. Der Chef der Identitären Bewegung Österreich, Martin Sellner, gab an, von einer Mailadresse mit dem Namen des Attentäters sei Anfang 2018 ein „unverhältnismäßig hoher Betrag“ als Spende bei ihm eingegangen. Er habe dem Absender eine E-Mail mit Dankesworten geschickt.

In einer Videobotschaft, die Sellner am Montagabend über die sozialen Medien verbreitete, gab er zudem an, dass es am Montag eine Hausdurchsuchung in dieser Sache bei ihm gegeben habe. Das Innenministerium in Wien bestätigte am Dienstag auf RND-Anfrage die Durchsuchung.

Durchsuchung in Österreich

Das Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) habe auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Graz Sellners Wohnung durchsucht.

In dem 15-minütigen Video kündigte Sellner an, die Summe der Spende werde er an eine karitative Einrichtung weitergeben. Mit dem Terroranschlag habe er „nichts zu tun“, betonte der Sprecher der Identitären. Er habe keinen Kontakt zum Attentäter gehabt und ihn auch nie getroffen.

Wie vergangene Woche bekannt wurde, hielt sich der mutmaßliche Täter, ein 28-jähriger Australier, vor dem Anschlag auch in Österreich auf. Die Untersuchungen des (BVT) laufen noch, das genaue Datum des Österreich-Aufenthaltes wurde zunächst nicht bestätigt. Laut Medienberichten reiste der Rechtsextremist am 26. November 2018 nach Wien, soll sich aber auch in Kärnten, Salzburg und Innsbruck aufgehalten haben.

Hohe Gewinne mit Kryptowährungen

Das „Manifest“ des Christchurch-Attentäters trägt den Titel „Der große Austausch“, ein zentraler Begriff der Identitären. Sellner ist davon überzeugt, dass ihn der Australier „in die Sache hineinziehen wollte“. Zumindest vorstellbar ist, dass der Attentäter auch an andere Personen oder Organisationen der Neuen Rechten in Europa gespendet hat. Nach eigenen Angabe hatte er hohe Gewinne bei der Spekulation mit Kryptowährungen gemacht.

Bei dem Anschlag auf zwei Moscheen in Christchurch am 15. März waren während der Freitagsgebete 50 Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Der Tatverdächtige sitzt in Untersuchungshaft, ihm droht wegen vielfachen Mordes lebenslange Haft.