Christian Lindner hat mit seiner Bäcker-Anekdote eine zum Teil heftig geführte Debatte in den Sozialen Netzwerken ausgelöst. Auf dem Bundesparteitag seiner Partei hatte der FDP-Chef erklärt: „Mann kann beim Bäcker in der Schlange nicht unterscheiden, wenn einer mit gebrochenem Deutsch ein Brötchen bestellt, ob das der hoch qualifizierte Entwickler künstlicher Intelligenz aus Indien ist oder eigentlich ein sich bei uns illegal aufhaltender, höchstens geduldeter Ausländer.“

Um den Frieden innerhalb der Gesellschaft nicht zu gefährden, müssten die Bürger deshalb sicher sein, „dass jeder, der sich bei uns aufhält, sich auch legal bei uns aufhält“. Dies sei Aufgabe einer „fordernden, liberalen und rechtsstaatlichen Einwanderungspolitik“.

Twitter-Nutzer reagieren auf Bäcker-Anekdote

Unter den Hashtags „Lindner“ und „Bäcker“ äußerten zahlreiche Twitter-Nutzer Kritik am Parteichef der Liberalen. Der Politiker erntete für seine Worte aber auch Verständnis. Ein Überblick:

Nutzer Ingmar Stadelmann verglich Lindners Bäcker-Anekdote mit den umstrittenen Hartz-IV- und Asyl-Äußerungen von Gesundheitsminister Jens Spahn und Alexander Dobrindt (CSU). In der Politik sei ein Wettstreit um den „bescheuertsten Kommentar“ ausgebrochen, so der Vorwurf.  

Twitter-User „AnChVIE“ fragte, ob auch Deutsche in einer türkischen Bäckerei aufgrund ihres Akzents oder Aussehens mit Vorverurteilungen zu rechnen hätten.

Jonas Bellings Tweet zielte in eine ähnliche Richtung. Auch bei Kunden mit „europäischem“ Erscheinungsbild könne nicht ausgeschlossen werden, dass es sich um Kriminelle oder Bürger mit demokratiefeindlicher Gesinnung handelt.  

Johannes Werner konnte den ganzen Wirbel nicht nachvollziehen. Schließlich gehe er nur aus einem einzigen Grund zum Bäcker:

Bei Linda Luft stieß Lindners Anekdote auf Fassungslosigkeit. Und auch „Bernd das Brot“ verschlägt es offenbar die Sprache.

Twitter-User Steernsnupp sah Parallelen zu Markus Söders Kreuz-Debatte und konnte sich einen Seitenhieb in Richtung CSU nicht verkneifen.

Und auch Nutzer „MichaelB2861“ nahm die Diskussion mit Humor. In Anlehnung an Lindners Aussage zu den gescheiterten Sondierungsgesprächen („Es ist besser nicht zu regieren, als falsch zu regieren“) postete er folgende Zeichnung:

Die Kritik an seiner Aussage wollte Christian Lindner allerdings nicht unkommentiert lassen. In einem Twitter-Video stellte der FDP-Politiker am Sonntagmittag klar, was er mit seiner Anekdote sagen wollte. Wer aus seinen Äußerungen Rechtspopulismus oder Rassismus lesen wolle, sei „etwas hysterisch unterwegs“:

Überzeugen konnte Lindner mit seiner Klarstellung aber nicht jeden. So warf Nutzer „OchMensch“ dem FDP-Chef vor, die Fehler bei anderen zu suchen, anstatt seine eigenen Fehler einzuräumen.

Markus Roscher-Meinel sah das anders. Schließlich habe Lindners Anekdote einen wahren Kern.

„Der Angelo“ verteidigte ebenfalls die Aussagen des FDP-Politikers und verwies auf Fehler in der Einwanderungspolitik, die nicht von der Hand zu weisen seien.

Einige Nutzer beklagten eine mangelhafte Diskursbereitschaft der Kritiker. Zudem würden Lindner die Worte im Mund umgedreht werden, bemängelte Nutzer „Blumenthal“.

Auch Andreas Hallaschka zeigte wenig Verständnis für die überwiegend negativen Kommentare auf Twitter und Facebook.

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