Bedrückt, aber er hat es überstanden: US-Präsident Bill Clinton kann im Amt bleiben, die Entsheidung fiel am 2. Februar 1999. 
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WashingtonDas Amtsenthebungsverfahren  ist die einzige Möglichkeit für den Kongress, einen Präsidenten abzulösen. Andrew Johnson und Bill Clinton mussten sich einem Prozess im Senat stellen, blieben aber im Amt. In einem weiteren Fall entzog sich Richard Nixon durch seinen Rücktritt einem Impeachment. Die Fälle im Überblick:


Bill Clinton, 1998/1999

Das Amtsenthebungsverfahren gegen Clinton wurde 1998 eingeleitet, weil er seine Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky zu verschleiern versucht hatte. Das Problem war weniger die Affäre, deren Verlauf mit allerhand pikanten Details öffentlich diskutiert wurden. Clinton und die damals 22-jährige Lewinsky hatten offenbar eine 18 Monate dauernde Beziehung. Schon davor hatte es immer wieder Gerüchte über außereheliche Affären Clintons gegeben. Als die Affäre bekannt wurde, leugnete der Präsident zunächst die Beziehung - unter anderem unter Eid. Im Juli 1998 übergab Lewinsky den Ermittlern ein blaues Kleid, das ihrer Aussage nach DNA-Spuren des Präsidenten aufwies. Am 17. August 1998 sagte Clinton per Videoübertragung vor der Grand Jury aus und übte sich in Wortklaubereien: Auf die Frage, ob die Aussage "Da ist überhaupt kein Sex in irgendeiner Form" wahr sei, erwiderte der Präsident: "Das hängt von der Bedeutung des Wortes 'ist' ab." Im Präsens formuliert, sei die Aussage nicht falsch, weil es zum Zeitpunkt der Aussage keine sexuellen Handlungen gegeben habe. In der Vergangenheit, gab der Präsident zu, habe es jedoch "unangemessene Handlungen" mit Lewinsky gegeben. Am gleichen Tag sagte er in einer Fernsehansprache, er habe Informationen zurückgehalten. Er bat bei den Amerikanern und seiner Frau um Entschuldigung. Die Anschuldigungen lauteten daher auf Meineid und Behinderung der Justiz. Beides sind Gründe für ein Amtenthebungsverfahren. Die Zweidrittelmehrheit im Senat für eine Amtsenthebung wurde schließlich im Februar 1999 deutlich verfehlt. Damals stimmten 45 Senatoren für schuldig in Sachen Meineid, 55 dagegen. Bei der Frage der Behinderung der Justiz stand es 50:50, Clinton konnte bleiben. 


Richard Nixon, 1974

Da war es vorbei: Richard Nixon an dem Tag, an dem er als Präsident der USA zurücktrat. Am 9. August 1974 verabschiedet er sich von den Mitarbeitern des Weißen Hauses.  
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Die Watergate-Affäre ist untrennbar mit dem damaligen Präsidenten Richard Nixon verbunden. In dem Gebäudekomplex  Watergate mitten Washington hatten die Demokraten ihr Hauptquartier. Fünf Einbrecher wurden in der Nacht zum 17. Juni 1972 erwischt, wie sie versuchten, in den Parteiräumen Abhörwanzen zu installieren. Recherchen von Journalisten und Ermittlern führten schließlich in höchste Regierungskreise - bis hin zum Präsidenten. Es ging um gravieren Missbrauch von Regierungsvollmachten. 1974 trat Nixon schließlich zurück und entging damit einem Impeachment. Der Justizausschuss des Repräsentantenhauses hatte wegen des Lauschangriffs auf die Demokraten eine Anschuldigung des Präsidenten beschlossen. Nixons Rücktritt kam aber noch vor der Abstimmung im Plenum des Repräsentantenhauses. Eine Absetzung durch den Senat hatte damals als nahezu sicher gegolten. Unter anderem hatte sich die öffentliche Meinung im Laufe der Affäre entschieden gegen den Präsidenten gewandt. 


Andrew Johnson, 1868

Andrew Johnson hat den zweifelhaften Ruhm, als erster Präsident ein Impeachment-Verfahren überstanden zu haben. 
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Gegen den Demokraten Andrew Johnson wurde 1868 ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet. Er war nach der Ermordung von Abraham Lincoln als dessen Vizepräsident ins Amt gekommen.  Er stand vor der Herausforderung, die Nation nach dem Bürgerkrieg wieder zu vereinen. Die republikanische Mehrheit im Kongress suchte nach Möglichkeiten, ein Amtsenthebungsverfahren einzuleiten. Als er versuchte, den Kriegsminister Edwin M. Stanton gegen dessen Willen zu entlassen und General Ulysses S. Grant einsetzte, hatten die Republikaner ihren Grund gefunden.  Johnson wurde vorgeworfen, sich über die Mitspracherechte des Kongresses bei der Besetzung von Regierungsposten hinweggesetzt zu haben. Für seine Amtsenthebung fehlte am Ende nur eine einzige Stimme im Senat. Die anschließende Wahl im Herbst verlor er aber dann.