Die Polizei in Thüringen gab am Mittwoch in Jena ein miserables Bild ab. Nicht wegen des Vorfalls, dass am Rande einer AfD-Kundgebung gegen die deutsche Flüchtlingspolitik gut sichtbar hinter der Windschutzscheibe eines Polizeifahrzeugs eine Ausgabe der rechtspopulistischen Zeitschrift „Compact“ klemmt, auf dessen Cover AfD-Chefin Frauke Petry als „die bessere Kanzlerin“ betitelt wird.

Auch die für die Polizei schnelle Reaktion – innerhalb einer Stunde – auf das beim Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlichte Foto des Wagens überrascht und wirft kein gutes Bild auf die Beamten. Denn als Antwort auf die Frage, ob die Neutralität der Polizei gewahrt sei, folgte ein lapidares „Wir sind selbstverständlich unparteiisch! Sorry trotzdem“.

Die Polizei hat ein „größeres Problemchen“

Da fragt nicht nur der Satiriker Jan Böhmermann „Wofür entschuldigt sich die Landespolizei Thüringen genau?“ Er kommt zu dem Schluss, dass die Polizei Thüringen ein „größeres Problemchen“ hat.

Dem kann man nur zustimmen. Grundsätzlich darf natürlich jeder Polizist in seiner Freizeit lesen, was er will, zumal „Compact“ nicht verboten ist. Ein Polizist darf, wie jeder Bürger, auch eine politische Meinung vertreten. Im Dienst muss er aber neutral sein. Aber wenn ein rechtspopulistisches Magazin im Einsatz – zumal bei einer AfD-Veranstaltung mit Frauke Petry auf dem Titelbild – gelesen wird, kann man diese Tatsache nicht mehr nur als unglücklich bezeichnen.

Absicht oder keine Absicht?

Nun könnte man darüber spekulieren, ob es ein blöder Zufall war, dass das Magazin so gut sichtbar zwischen Jacke und Scheibe klemmt, oder sogar ein bewusstes Statement des Beamten.

Wenn es Absicht war, dann steht die Polizei in Thüringen nicht nur vor einem „Problemchen“, wie Böhmermann es nennt, sondern vor einem echten Skandal. Und das müsste dann Konsequenzen haben.