Chinas Präsident Xi.
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Washington/Brüssel/Peking - Die Amerikaner verschärfen die Rhetorik gegen China: US-Präsident Donald Trump droht China sogar mit Strafzöllen. Der Grund: Ihm lägen Informationen vor, die die Annahme rechtfertigten, dass das neuartige Coronavirus aus einem Labor in der chinesischen Stadt Wuhan stamme, sagte Trump im Weißen Haus. Er könne aber keine näheren Angaben machen, woher er diese Informationen habe. „Das ist etwas, das vor Ort hätte eingedämmt werden können, und ich denke, dass es sehr einfach hätte eingedämmt werden können.“

Die Weltgesundheitsorganisation WHO erklärte am Freitag, sie wolle sich an den Ermittlungen zum Ursprung des Coronavirus in China beteiligen. Trump hatte die WHO zuvor den PR-Arm Chinas genannt.

Doch Trump ist nicht allein: Auch eine Reihe weiterer Staaten verlangt von China Transparenz über den Ursprung der Pandemie. Den chinesischen Behörden zufolge ging das Coronavirus von einem Wildtiermarkt in Wuhan auf den Menschen über. Seit Monaten gibt es aber Spekulationen, das Virus könnte in einem Labor in Wuhan durch einen Unfall freigesetzt oder sogar absichtlich geschaffen worden sein.

Ins Visier geraten ist dabei das Wuhan-Institut für Virologie, das die größte Virusbank Asiens beheimatet. Die US-Geheimdienste untersuchen den Fall, sind aber noch zu keinem endgültigen Ergebnis gekommen. Die chinesischen Behörden weisen solche Theorien entschieden zurück.

Trumps Androhung von neuen Strafzöllen passt in seine „America first“-Strategie. Dies ist maßgeblich von seinem früheren Strategieberater Steven Bannon formuliert werden: Die kommunistische Partei Chinas sei ein korruptes Machtkartell, das sein eigenen Volk unterdrücke und die wirtschaftliche Weltherrschaft anstreben. Trump sagte, dass die Chinesen bewusst Unwahrheiten über ihn verbreiteten, um seine Wiederwahl im November zu verhindern. Die Chinesen sähen viel lieber „sleepy“ Joe Biden als US-Präsident, weil dieser Peking schon als Vizepräsident zu Diensten gewesen sei.

US-Außenminister Mike Pompeo sagte am Donnerstag ebenfalls kryptisch, er könne „nicht genau“ sagen, wo die Pandemie ihren Ursprung genommen habe. „Wir wissen nicht, ob es vom Virologischen Institut in Wuhan kommt. Wir wissen nicht, ob es von dem Markt kommt oder sogar von einem anderen Ort“, sagte er in einem Radio-Interview laut AFP. „Wir haben diese Antworten nicht“, sagte der Außenminister. Aus diesem Grund habe Trump deutlich gemacht, „dass wir sie brauchen“.

Offenbar gibt es in Washington noch keine klare Gefechtslage. Teile der US-Geheimdienste lehnen Trump ab und arbeiten mehr oder weniger offen gegen ihn. Trump versucht dagegen, neue Leute in Positionen zu bringen. Zuletzt ernannte er den früheren US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, zum Geheimdienstkoordinator. Beide rivalisierenden Fraktionen haben sich jedoch darauf verständigt, das Virus als natürliches Phänomen zu sehen. Zu Beginn der Krise hatte es Aussagen von US-Senator Tom Cotton gegeben, das Virus könnte manipuliert worden sein und einem militärischen Programm entspringen.

Die WHO will sich an den Ermittlungen zum Ursprung des Coronavirus in China beteiligen und forderte die Regierung in Peking am Freitag zu einer entsprechenden „Einladung“ auf. „Die WHO würde gerne mit internationalen Partnern zusammenarbeiten und sich auf Einladung der chinesischen Regierung an Untersuchungen zur tierischen Herkunft des Virus beteiligen“, sagte WHO-Sprecher Tarik Jasarevic der Nachrichtenagentur AFP.

Die Börsen reagierten negativ auf die neuen Schuldzuweisungen.  Der Londoner FTSE  fiel am Freitagvormittag um fast zweieinhalb Prozent auf 5757,70 Punkte. Händler verwiesen laut dpa-AFX ausdrücklich auf die verschärfte Rhetorik Trumps. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete unter Berufung auf eine mit der Sache vertraute Person, dass Trump erwäge, einem Pensionsfonds der Regierung Investitionen in chinesische Aktien zu verbieten.

Auch die EU hat sich dem Begehren der Amerikaner nach Aufklärung angeschlossen – allerdings ohne China anzugreifen: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte dem US-Sender CNBC am Freitag, die internationale Gemeinschaft sollte untersuchen, wie die Coronavirus-Pandemie begann, um besser auf künftige Ausbrüche vorbereitet zu sein. Von der Leyen schlug vor, dass die internationale Gemeinschaft den Ausbruch des Coronavirus untersuchen müsse, um ein „Frühwarnsystem“ einzurichten.

Zuvor hatte der schwedische Gesundheitsminister eine „internationale, unabhängige Untersuchung“ der Ursprünge und der Verbreitung des Virus gefordert.