Deutschland und Frankreich haben ein europäisches Programm im Umfang von 500 Milliarden Euro zur wirtschaftlichen Erholung nach der Corona-Krise vorgeschlagen. 
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WienÖsterreich, Dänemark, die Niederlande und Schweden haben einen gemeinsamen Gegenentwurf zum deutsch-französischen Hilfsplan für die am stärksten von der Corona-Krise betroffenen EU-Mitgliedsländer vorgelegt. Laut der Nachrichtenagentur AFP wurde am Samstag in Wien ein Alternativvorschlag veröffentlicht, welcher eine Vergemeinschaftung von Schulden und eine Erhöhung des EU-Haushalts ausdrücklich ablehne. Stattdessen fordern die „sparsamen Vier“, wie sie sich nennen, eine einmalige und auf zwei Jahre befristete Nothilfe auf der Basis von günstigen Krediten vor.

„Was wir ablehnen ist eine Schuldenunion durch die Hintertür“, sagte Sebastian Kurz, Bundeskanzler von Österreich, zuletzt als Gastredner beim virtuellen Parteitag der CSU. Eine Schuldenunion würde Europa nicht guttun. Jede Hilfe auf europäischer Ebene könne daher nur befristet stattfinden als einmalige Soforthilfe. 

Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte fordert mehr

Der am Montag vorgelegte Corona-Plan von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem französischen Präsidenten Emmanuel Marcron erlaubt der EU-Kommission, auf den Finanzmärkten Kredite im Namen der EU aufzunehmen, um einen Wiederaufbaufonds im Volumen von 500 Milliarden Euro zu füllen. Das Geld soll dann als nicht rückzahlbare Zuschüsse aus dem EU-Haushalt an die am stärksten von der Corona-Krise betroffenen EU-Länder fließen, darunter an das bereits hoch verschuldete Italien.

Der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte bezeichnete laut dpa das Programm von Merkel und Macron zuletzt als „einen mutigen und bedeutenden Schritt“. Es müsse aber „noch viel mehr getan werden“. Doch der Gegenentwurf von Österreich, Schweden, Dänemark und den Niederlanden sei „unangemessen“. Die schwere Rezession verlange „ambitionierte und innovative Vorschläge“, denn der Binnenmarkt mit seinen Vorteilen für alle Europäer sei in Gefahr, schrieb Europaminister Enzo Amendola auf Twitter.

Laut dem vom österreichischen Kanzleramt veröffentlichten Gegenentwurf soll der Nothilfefonds zusätzlich zu einem modernisierten Finanzrahmen und einem bereits beschlossenen Rettungspaket von 540 Milliarden Euro eingerichtet werden. Eine Summe wird nicht genannt. Das Geld darf demnach nur „für den Wiederaufbau und die Widerstandsfähigkeit des Gesundheitssektors und der Wirtschaft eingesetzt werden“. Empfängerstaaten müssten zudem ihr Engagement für Reformen bekräftigen.

„Sparsame Vier“ fordern ein „modernisiertes EU-Budget“

Zum Schutz vor Betrug fordern die „sparsamen Vier“ eine starke Einbindung des Europäischen Rechnungshofs, der EU-Betrugsbekämpfungsbehörde Olaf und der Europäischen Staatsanwaltschaft. Die vier Nettozahler verweisen in dem Papier darauf, dass die nationalen Haushalte wegen der Coronakrise bereits angespannt seien und trotzdem mehr Mittel für EU-Ausgaben aufzuwenden seien. Deshalb fordern sie ein „modernisiertes EU-Budget als Ausgangspunkt“. Der endgültige Ausgabenrahmen der Coronahilfen sollte demnach „durch eine neue Priorisierung“ von Ausgabenbereichen im EU-Haushalt ermittelt werden. Hilfen, die weniger zur Wirtschaftserholung beitragen, sollen demnach eingespart werden.

Die EU-Kommission will am Mittwoch kommender Woche einen eigenen Vorschlag vorstellen. Sie strebt bei ihrem „Wiederaufbauinstrument“ ein Volumen von mindestens einer Billion Euro an und setzt dabei auf eine Mischung aus Zuschüssen und Krediten. Die Kommission will auf diese Weise ein wirtschaftliches Auseinanderdriften der Mitgliedstaaten verhindern.