Berlin - Die Politik hat in den Zeiten der Corona-Pandemie nur eine Verwendung für die Jugend: als duldsame Masse. Anders ist es nicht zu erklären, dass Kinder und Jugendliche und auch die jungen Erwachsenen immer nur dann in den Fokus rücken, wenn von ihnen mal wieder ein bisschen Solidarität gefordert wird.

Da bleiben monatelang Kitas und Schulen dicht, weil man die wirklich wichtigen Teile der Wirtschaft nicht herunterfahren kann oder möchte. Wer mit seiner Clique unterwegs ist, gilt erst mal als Verdachtsperson. Meine Teenager-Söhne sind noch nie so oft von der Polizei kontrolliert worden wie in den vergangenen anderthalb Jahren.

Jetzt aber dürfen sie wieder etwas Gutes tun. Sie dürfen sich impfen lassen. Nicht, weil ihnen das selbst nutzt, sondern weil es gut für die Erwachsenen ist. Obwohl die Ständige Impfkommission Stiko ganz bewusst keine generelle Empfehlung für das Impfen für Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren ausgibt, will der Bundesgesundheitsminister genau das forcieren. Denn das Impftempo in Deutschland ist langsamer geworden. Also rein mit dem Impfstoff in die jungen Oberarme. Alles für die Herdenimmunität. Wir sind erst raus aus der Pandemie, wenn alle geschützt sind.

Nichts gegen den Anspruch, die Pandemie ein für allemal zu besiegen. Die flächendeckende Impfung von Kindern und Jugendlichen, denen das Virus womöglich weniger schadet als die Impfung es könnte – dieser Versuch ist zynisch. Und entlarvend zugleich: Immer hieß es, die Politik folgt der Wissenschaft. Doch wenn die sich – wie hier die Stiko – aus gutem Grund querlegt, dann wird schlicht Druck ausgeübt. Auch für die Eltern der Minderjährigen hat die Politik eine wenig freundliche Botschaft. Sie lautet: „Seht selbst zu, wie ihr mit der Situation klarkommt.“ Es ist alles in allem keine neue Nachricht.