Zum Coronavirus prasseln eine Menge Informationen über uns herein. Nur nicht den Mut verlieren und gründlich informieren!
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Berlin„Ich weiß nicht mehr, was ich noch glauben soll.“ Diesen Satz habe ich in den vergangenen Tagen sehr oft gehört oder gelesen. Von engen Freunden, Bekannten, in den sozialen Netzwerken. Er stimmt mich traurig. Darin steckt eine tiefe Verunsicherung, die durch die Corona-Krise verstärkt wurde und nun deutlich zum Vorschein kommt. In ihm steckt der Verlust von Vertrauen. Und auch Resignation.

Worauf kann man sich verlassen? Welche Nachrichten stimmen? Gibt es bald eine Impfpflicht? Helfen Mund-Nase-Masken? Nicht zu wissen, wem und was man glauben soll, woran man sich festhalten kann, ist schlimm. Man befindet sich im freien Fall, ohne zu wissen, ob man sicher landet.

In diesen Tagen prasseln eine Menge Informationen in schnellem Takt auf uns herein. Über das Virus ist noch so wenig bekannt, dass eine Nachricht von gestern heute schon überholt und sogar falsch sein kann. Das irritiert. Mich auch. Und dennoch habe ich Vertrauen. Ich vertraue meinem Verstand, meinem Urteil.

Ich habe gelernt, Informationen zu suchen, zu filtern, einzuordnen, zu bewerten. Das ist schwierig. Das kostet Zeit und ist nervenaufreibend. Die Informationsflut ist so riesig, dass sie einen fast überwältigt. Wie angenehm wäre es, wenn es eine Plattform gäbe, auf der die Wahrheit steht. Diese eine absolute Wahrheit. Die gibt es aber nicht. Und jeder, der behauptet, so eine Plattform bieten zu können, lügt.

Wir haben in Deutschland das Glück, jede Information bekommen zu können. Wissen ist für jeden frei zugänglich. Das ist in unserem Grundgesetz festgeschrieben. In Artikel 5 steht: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.“ Jeder hat das Recht auf freie Informationen. Was für ein hohes Gut.

Jeder hat aber auch die Pflicht, selbst Informationen zu suchen und zu bewerten. Das kann keine Plattform übernehmen, erst recht keine wie Facebook, Instagram oder YouTube. Wer sich nur über die sozialen Netzwerke informiert, ist in einer Blase gefangen – wegen der Algorithmen. Wenn ich nur noch Tier-Videos like und ansehe, werden mir sehr schnell auch nur noch Tiervideos angezeigt. Denn der Algorithmus glaubt zu wissen, was mir gefällt. Er will ja, dass ich immer wieder zu der Plattform zurückkomme und dort viel Zeit verbringe.

Wir leben in einer sehr unsicheren Zeit: „Ich weiß nicht mehr, was ich noch glauben soll.“ Nachzufragen und sich mit anderen auszutauschen, ist jetzt enorm wichtig – differenziert, systematisch, ohne voreingenommen zu sein. Wichtig ist es, dabei mehr als nur eine Quelle einzubeziehen.

Es gilt, den eigenen Verstand einzuschalten und vor allem: Eigenverantwortung zu übernehmen. Jeder ist für sein Handeln verantwortlich. Und jedem Handeln folgen Konsequenzen.

Klar, niemand wird gern bevormundet. Neue Verordnungen und Gesetze sind manchmal schwer zu verstehen. Und Regelungen können unbequem sein. Die Straßenverkehrsordnung ist auch nicht gerade einfach und gefällt nicht jedem. Aber sie gilt für alle. Ohne Ausnahme. Gehe ich bei Rot über die Ampel? Ich könnte ja etwas Wartezeit einsparen. Aber was könnte noch passieren, wenn ich es tue? Jeder ist in der Lage, sich diese Fragen zu stellen und selbst zu beantworten. Die Entscheidung – stehen bleiben oder gehen? – liegt bei einem selbst. Die kann einem niemand abnehmen.

Das ist bei den Corona-Beschränkungen nicht anders. Sie gelten für alle. Ohne Ausnahme. Halte ich genügend Abstand? Trage ich eine Maske oder nicht? Welche Folgen könnte das haben – für andere, für mich?

„Ich weiß nicht mehr, was ich noch glauben soll.“ Ich glaube, jeder kann es wissen und für sich selbst entscheiden. Allerdings: Man muss dranbleiben, die aktuellen Entwicklungen verfolgen, vielleicht sogar die eigene Meinung revidieren. Das ist überhaupt nicht schlimm. Im Gegenteil. Nur nicht den Mut verlieren! Fragen, diskutieren, sich selbst informieren, nachdenken. Immer in dem Bewusstsein: Jede Entscheidung hat Konsequenzen.