Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will Deutschland auf die Corona-Zeit im Herbst und Winter vorbereiten.
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BerlinDie Pläne der Bundesregierung, eine neue Strategie für den Umgang mit der Corona-Pandemie in der kälteren Jahreszeit zu erarbeiten, haben bei der Opposition zum Teil deutliche Kritik hervorgerufen.

Viele der geplanten Maßnahmen kämen viel zu spät, sagte Achim Kessler, gesundheitspolitischer Sprecher der Linksfraktion im Bundestag. „Mitte Oktober, wenn die Corona-Teststrategie für die kalten Monate gemeinsam mit den Bundesländern entwickelt sein soll, werden wir schon längst niedrige Temperaturen haben.“ 

Es wird erwartet, dass die Infektionszahlen mit Beginn der kälteren Jahreszeit deutlich steigen - auch, weil sich das öffentliche Leben dann wieder weitgehend drinnen abspielen wird, wo wiederum die Ansteckungsgefahr höher ist.

Mit Blick auf die Corona-Strategie für die Schulen warnte Katja Dörner, Sprecherin für Kinder- und Familienpolitik der Grünen-Bundestagsfraktion, die jüngeren Kinder nicht zu vergessen: „In der ersten Phase der Pandemie hat die schwierige Lage von Kindern und Eltern kaum eine Rolle gespielt“, sagte Körner der Berliner Zeitung. „Das darf sich nicht wiederholen. Für den Herbst heißt das: Ein verlässlicher Kita-Betrieb muss Priorität haben. Flächendeckende Kitaschließungen müssen auch im Falle steigender Infektionszahlen verhindert werden.“ Nötig seien klare und umsetzbare Vorgaben für die Kitas, außerdem müssten sie über ausreichend Hygienemittel und Schutzmaterial verfügen. „Jeder Tag, an dem Kita nicht stattfindet, verringert die Bildungschancen vieler Kinder“, sagte Dörner.

Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Thomas Sattelberger, kritisierte die Bildungsstrategie als verspätet und unzureichend. Die geplanten Maßnahmen seien lediglich „ein akutes Notprogramm“. Deutschland brauche „mittelfristig kluge Unterrichtskonzepte für eine hybride Schule, die digitalen Distanzunterricht genauso gut meistert wie Präsenzunterricht im Klassenzimmer“, sagte Sattelberger der Berliner Zeitung.

Sattelberger kritisierte außerdem, dass das bislang vorhandene Geld für Endgeräte aus dem Digitalpakt nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel verteilt werde – also nach Steueraufkommen und Bevölkerungszahl pro Bundesland und nicht nach der Anzahl finanziell bedürftiger Schüler. „Das Ergebnis: die Gelder kommen gar nicht zielgenau bei den wirklich Benachteiligten an“, sagte der FDP-Politiker. „Statt Königsteiner Schlüssel brauchen wir eine Verteilung nach Bedarf.“ Auch bräuchten Schulen nicht nur schnelleres Internet, sondern auch Wahlmöglichkeiten. „Schulen müssen rasch entscheiden können, welche digitalen Lernplattformen sie für den Unterricht nutzen“, so Sattelberger.