Der Alarmzustand, der in Spanien herrscht, kann in Deutschland noch verhindert werden.
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BerlinNoch, so hat es den Anschein, sind die deutschen Krankenhäuser nicht von der Coronavirus-Epidemie überfordert. Morgen werden sie es sein. Oder übermorgen. Oder in ein paar Tagen. Deutschland sollte nicht denselben Fehler wie Spanien begehen. Die Zeit zu handeln ist jetzt. Das Land muss heute geschlossen werden, nicht morgen. Das ist die Lehre aus Spanien.

Der Spott ist verstummt

Die verblüffende Erfahrung ist: Je drastischer die Maßnahmen, umso einleuchtender sind sie. Vor ein paar Tagen machten sich viele Spanier noch lustig über jene, die Kühlschränke und Speisekammern füllten. Sie sahen keine rationale Vorsorge, sondern Panik. Doch irrational ist, wer sich keine Sorgen macht.

Seit dem Wochenende ist der Spott verstummt. Wenn es noch irgendwo in Spanien Stimmen geben sollte, denen alles zu weit geht, so sind sie nicht mehr zu hören. Die Quarantäne-Erfahrung macht die unsichtbare Bedrohung fühl- und sichtbar. Keiner ist gern zu Hause eingesperrt. Aber man ahnt: Da draußen lauert ein Virus. Man sieht es an den leeren Straßen. Wahrscheinlich bringt es nicht mich um. Aber andere, die schwächer sind.

Kritik wegen Zögerlichkeit

Hinzu kommt das Wissen, dass das sonst so gut funktionierende Gesundheitssystem mit der zusätzlichen Belastung überfordert ist. Das deutsche wird es auch bald sein. Es sei denn, die Kanzlerin trifft radikale Entscheidungen.

Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez hatte sich davor gefürchtet. Heute wird er wissen, dass das ein Irrtum war. Wenn ihn jemand kritisiert, dann nicht wegen des Alarmzustands und der Quasi-Ausgangssperre. Sondern wegen der Zögerlichkeit, mit der er sie ausgerufen hat. Es gibt keinen Grund, bis morgen zu warten.