Berlin - Die Aufgaben von Müttern nähern sich durch die coronabedingten Einschränkungen wieder dem klassischen Rollenbild an. Das geht aus einer neuen Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hervor. So befördern insbesondere Homeoffice und Homeschooling, also der Unterricht zu Hause bei Schulschließung, die antiquierte Rollenverteilung. 69 Prozent der Frauen geben an, generelle Hausarbeiten selbst zu erledigen. Bei den Männern sind es nur elf Prozent. Nur knapp jede vierte Frau gibt an, dass die Hausarbeit zwischen beiden Partnern zu gleichen Teilen erledigt wird. Die Wahrnehmung der Männer weicht davon stark ab: Bei ihnen ist fast jeder Zweite (49 Prozent) der Meinung in gleichem Maße an der Hausarbeit beteiligt zu sein.

Den Familieneinkauf erledigen zwei Drittel der befragten Frauen selbst. Ähnlich hoch ist die Zahl der Frauen, die für die Essenszubereitung zuständig sind. Nur 14 Prozent der Männer geben an, selbst dafür verantwortlich zu sein. Dass das Kochen gleichmäßig verteilt ist, sagen 28 Prozent der Frauen und 36 Prozent der Männer.

Auch die Kindererziehung wird der Umfrage zufolge mehrheitlich von den Müttern gemanagt. 51 Prozent der Frauen geben an, den Fernunterricht und die Termine der Kinder zu organisieren, bei den Männern sind es nur 15 Prozent.

Die ungleiche Verteilung spiegelt sich auch in der Belastung wider. Während sich 49 Prozent der Frauen durch die aktuelle Situation physisch und psychisch belastet fühlen, teilen nur 30 Prozent der Männer dieses Gefühl.

Doch nicht nur coronabedingte Einschränkungen verursachen die Rollenverteilung: Jede zweite Frau meint, dass die häuslichen Aufgaben bereits vor Corona nicht gleichmäßiger verteilt waren. Demzufolge kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass die Pandemie die Rollenverteilung nicht in jedem Falle verstärkt, sondern vielmehr die bisherige Rollenverteilung offenlegt.

Die frauenpolitische Sprecherin der Linken, Ulle Schauws , forderte eine „Care-Revolution“:  „Sorge- und Hausarbeit zwischen den Geschlechtern fair aufzuteilen, ist eine Frage der Gerechtigkeit. Die Forschung zeigt, dass die Partnerschaftlichkeit gestärkt wird, wenn Väter mehr als die zwei Partnermonate Elterngeld in Anspruch nehmen."

Mehr gemeinsame Elternzeit schlägt ebenfalls die SPD-Abgeordnete Leni Breymaier vor, um die Arbeit gerechter zu verteilen, „Wir müssen einerseits weiter die Rahmenbedingungen für die Erwerbsarbeit von Frauen stärken. Dazu gehört eine gute Qualität der Kinderbetreuung, sowohl fachlich wie auch zeitlich. Aber auch alles, was die partnerschaftliche Verteilung der Familienarbeit stärkt, wie möglichst gleiche Elternmonate für Mütter und Väter, gehört dazu", sagte Breymaier, die auch Mitglied im Ausschuss für Familie und Frauen ist. Neben steuerlichen Änderungen fordert sie außerdem eine „Überprüfung des Begriffs der Vollzeitarbeit“.