Huderte junge Menschen mahnen zur Vorsicht. Sie gehören alle zur #Risikogruppe
Foto: Oliver Straub / Instagram @wheelpics

Berlin Hunderte junge Menschen, die aufgrund von Vorerkrankungen und chronischen Leiden ein höheres Risiko haben, schwer an Covid-19 zu erkranken, zeigen im Internet Gesicht.

„Hi, wir sind’s. Die #Risikogruppe“, schreiben sie. „Du hast gedacht wir wären kettenrauchende Todkranke oder zumindest alt? Weit gefehlt. Keiner von uns ist Rentner und wir gehen genauso gerne wie du in Clubs, Bars und auf Konzerte. Worauf wir keinen Bock haben, ist sterben.“ Genau das sei  aber gar nicht so unwahrscheinlich, wenn die Menschen nicht einfach die nächsten Wochen zuhause blieben und ihren sozialen Aktionsradius für ein paar Wochen einschränkten. Je nachdem, was der Gesundheitsminister vorschlage. Die Initiative zu der Fotoaktion auf Instagram und auf Facebook hat Raul Krauthausen ergriffen. Er hat die Glasknochenkrankheit.

Seit dem Start melden sich im Minutentakt unter dem Hashtag #Risikogruppe mehr und mehr Menschen. Carmen, 31, Mutter von Zwillingen, schwer herzkrank. Jasmin, 37, Erbkrankheit Muskeldystrophie, rund-um-die-Uhr beatmet, kaum Lungenkapazität. Jana, 25 Jahre alt und seit 10 Jahren ab dem 5. Halswirbel querschnittgelähmt. Daher geschwächtes Immunsystem und stark eingeschränkte Atemfunktion, Diana, bald 41, nierentransplantiert: „Ja, ich habe Angst derzeit“, sagt sie. „Ich habe Freunde die für mich einkaufen. Ich bin mit meinem 13-jährigen Sohn zu Hause und wir schlagen uns tapfer.“

In Italien sei es schon zu spät: Ärzte müssen entscheiden, wen sie beatmen – und wer stirbt, so der eindringliche Appell. Warum? Unter anderem, weil sich die Menschen zu lange gegenseitig angesteckt hätten. Tapfer leben die meisten mit ihren Vorerkrankungen – die seien kein Grund zu sterben, finden die jungen Leute und fordern auf, dem Begriff Risikogruppe ein Gesicht zu geben. „Du bist auch noch lange keine 60 und in der #Risikogruppe? Poste, rede drüber, lass dir helfen. Nutze diesen Hashtag. Join the band. Denn: Gestorben wird später. Viel später. Rock and Roll, eure #Risikogruppe.“  Mittlerweile werden auch konkreteVorschläge  geäußert, es Gefährdeten leichter zu machen: mit gesonderten Einkaufszeiten oder extra Kassen in Märkten etwa.