Menschenkette der Friday-vor-Future-Bewegung vor dem Kanzleramt.  
Foto: Jörg Carstensen/dpa

Berlin - Corona schweißt unsere Gesellschaft fester zusammen. Das hat eine repräsentative Bevölkerungs-Studie der Bertelsmann-Stiftung gezeigt, die Teil der Langzeitstudie „Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt“ ist. Im Februar behaupteten stattliche 41 Prozent der befragten Personen, dass die Bürger sich nicht um ihre Mitbürger kümmerten. Im Mai und Juni dachten das nur noch 21 Prozent. Auch schätzten weniger Menschen den gesellschaftlichen Zusammenhalt als gefährdet ein. Zeitgleich ist das Vertrauen in die Regierung stark gewachsen, nämlich um insgesamt 26 Prozentpunkte. Die Deutschen blicken mit etwas mehr Stolz und Zufriedenheit auf ihre Demokratie und sie haben etwas weniger Angst vor Armut, Arbeitslosigkeit und einer drohenden Wirtschaftskrise als noch vor ein paar Monaten.

Ergebnisse, die überraschen, wenn man an die Demonstrationen der letzten Wochen denkt. Spannend wäre zu sehen, wie die Befragten jetzt im August über die Lage urteilen. Vielleicht ist ja durch den Lockdown wirklich im Kleinen und im Großen ein Geist der Solidarität entstanden. Einkaufshilfe in der Nachbarschaft, befreundete Familien, die abwechselnd ihre Kinder betreuten. Jugendliche, die sich um ihre jüngeren Geschwister kümmerten, weil ihre Eltern an der Belastungsgrenze waren. Enkel, die täglich ihre fernen Großeltern anriefen, damit diese sich nicht so einsam fühlten.

Die Bertelsmann-Studie legt nahe, dass die großen und von Erfolg gekrönten Anstrengungen der Regierung beim Krisenmanagement honoriert werden. Die Politik- und Demokratie-Verdrossenheit der Wintermonate, die Empfänglichkeit für die zündelnde Rhetorik rechter Parteien, wurde durch Corona etwas weggedrückt. Ja, manchmal haben Krisen auch ihre guten Seiten!