Die Besserwisser marschieren. Viele Medienleute – etwa im Spiegel – pflegen folgendes Geschäftsmodell: Man halte das Publikum ständig in der Spannung zwischen Bagatellisierung der Pandemie und Panikmache – das zahlt sich aus. Christian Lindner, der einst regierungsfeige, jetzt regierungsversessene FDP-Chef, fordert neuerdings eine „Impfgarantie bis zum Sommer!“ Außer seinem Lockerungsgerede zur Unzeit und wirklichkeitsfremdem Beharren auf einer „langfristig tragbaren Strategie“ fiel ihm bislang nichts ein.

Leider steht es um Lindners Kollegen Dietmar Bartsch nicht besser, ich meine den Fraktionsvorsitzenden der Linken. Dieser behauptet, die Bundesregierung habe „beim Thema Impfen versagt“, die Europäische Union sowieso. Bartsch bläst zum nationalen Egoismus: Machen wir es endlich so wie die Briten, die USA und andere, der Rest der Welt kann uns schnurz sein! Im Gegensatz zu Bartsch bekennt sich Gerd Müller (CSU), unser Minister für Entwicklungszusammenarbeit, klar zu den Prinzipien des solidarischen Internationalismus. Ihm sind nationalbolschewistische Töne fremd, und er erklärt immer wieder, wenn auch von vielen Deutschen überhört: „An den Folgen der Corona-Pandemie leiden die Ärmsten der Ärmsten dieser Welt am meisten. Corona-Impfstoffe sind ein globales Gut.“

Astrazeneca kürzt Impfstofflieferungen: Was kann Spahn dafür?

Die Thüringer Gesundheitsministerin Heike Werner (Die Linke) „sieht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in der Verantwortung“, weil die Firma Astrazeneca ihre zugesagten Lieferungen gekürzt hat. Was kann denn Spahn dafür? Allerdings kann die von der Linken geführte Landesregierung einiges dafür, dass die Infektionszahlen in diesem Bundesland so stark angestiegen sind. Denn infolge der lang anhaltenden ostentativen Gleichgültigkeit ihres Ministerpräsidenten Ramelow, der sich mit Computerspielen während der Online-Konferenzen mit der Kanzlerin vergnügt und diese als „Merkelchen“ abqualifiziert, hat sich die Erfurter Landesregierung schwerster Fehler schuldig gemacht. Wie wäre es, wenn Ramelöhchen und seine linke Truppe aus ihrem ureigensten Versagen lernten?

Sehr speziell benimmt sich die AfD. Ihre Funktionäre, Mitglieder und Gefolgsleute finden bekanntlich, dass es die Pandemie nicht gibt. In Sachsen-Anhalt behauptet die AfD schön antikapitalistisch, das ganze Infektionsgewese diene nur einem: „Big-Pharma“. Der AfD-Bundestagabgeordnete Petr Bystron, ein aktiver Antisemit, behauptet, dass die von Bund und Ländern beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie Hitlers Ermächtigungsgesetz von 1933 entsprächen („Die Blaupause ist die gleiche“). Seltsamerweise ließ sich der Fraktionsvorsitzende der AfD im Düsseldorfer Landtag, Markus Wagner, samt Familie gegen das – nach AfD-Meinung ungefährliche – Virus impfen, obwohl er und seine Ariersippe längst nicht an der Reihe sind. Genauso korrupt verhielt sich der Düsseldorfer Landtagsabgeordnete Ralph Bombis von der FDP. Auch er beschaffte das knappe Impfmittel für sich, seine Frau und sein „persönliches Umfeld“. So viel zur „langfristigen Strategie“ Lindners.

Der Impfstoff ist knapp. Für die Hausärzte ist von dem weltweit begehrten Vakzin einfach noch nicht genug da. Die bisher geltenden Priorisierungen sind derzeit richtig. Sie funktionieren im Wesentlichen. Das erlebt und hört man nicht zuletzt im rot-rot-grün regierten Berlin. Es hilft nichts: Bleiben wir geduldig und diszipliniert.