Eine Flut an Falschinformationen zur Coronavirus-Epidemie sorgt für teils übertriebene Panik. (Symbolbild)
Foto: NOEL CELIS / AFP
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San Francisco - Ein Labor in Wuhan habe das Coronavirus entwickelt, Sesamöl schütze vor Covid-19 und auch Cannabis helfe gegen die Infektion. Das sind nur einige wenige der vielen Gerüchte über die neue Lungenkrankheit, die im Internet kursieren. Noch schneller als die Epidemie breiten sich Falschinformationen und Verschwörungstheorien aus, über die die Nachrichtenagentur AFP berichtet.

"Den meisten Akteuren hinter diesen Falschmeldungen ist es egal, ob Sie sie glauben oder nicht. Sie nutzen die Epidemie als ideales Vehikel für ihre Ziele - sei es Geld zu machen oder Misstrauen zu säen", sagt Carl Bergstrom, Biologie-Professor an der Universität Washington, der zu Desinformation im Internet forscht. Die einen wollen vermeintliche Wundermittel verkaufen, andere Klicks generieren, um ihre Werbeeinnahmen dadurch zu steigern.

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Ursprung des neuen Virus immer noch unklar

"Und dann gibt es noch Kampagnen, die die Demokratien schwächen und den Eindruck erwecken wollen, man könne niemandem mehr trauen", sagt Bergstrom. Über tausende russische Nutzerkonten seien via Twitter, Facebook und Instagram antiamerikanische Falschinformationen zum Coronavirus gestreut worden, teilten US-Beamte vergangene Woche mit. Eine der verbreiteten Theorien lautet, die Vereinigten Staaten hätten das Virus absichtlich erschaffen. Diese Verschwörungstheorie erinnert an die Versuche des damaligen sowjetischen Geheimdienstes im Kalten Krieg, glauben zu machen, das Aids-Virus sei eine Erfindung der US-Wissenschaft.

Verschwörungstheoretiker haben auch deshalb leichtes Spiel, weil der Ursprung und die Verbreitung des neuen Virus immer noch unklar ist. Viele Menschen sind besorgt und suchen in Online-Netzwerken nach Erklärungen.

"Wir müssen die Verbreitung von Gerüchten und Falschinformation bekämpfen", sagt der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus. Falsche Informationen können Panik auslösen. Die zeigt sich zum Beispiel beim Ansturm auf Gesichtsmasken oder in überfüllten Notaufnahmen.

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Kampf gegen diese "massive Infodemie"

Um den Kampf gegen diese "massive Infodemie" zu koordinieren, trafen sich Mitte Februar Vertreter der WHO mit den wichtigsten Internetfirmen im Hauptsitz von Facebook im Silicon Valley. Der Online-Händler Amazon habe sich daraufhin verpflichtet, angebliche Heilmittel gegen die Infektionskrankheit aus dem Angebot zu nehmen, berichtete der US-Sender CNBC.

Google räumt beim Thema Coronavirus offiziellen Quellen, wie zum Beispiel der WHO, bei seiner Internet-Suchmaschine höhere Priorität ein genauso wie auf Richtigkeit überprüften Nachrichten. Auch Social-Media-Kanäle wie Twitter, Facebook und TikTok bemühten sich, irreführende Informationen zur Epidemie einzudämmen, sagt WHO-Chef Tedros. Facebook nutzt dafür sein Programm zum Fakten-Check durch Dritte. Mithilfe von etwa 60 Medien weltweit - unter ihnen die Nachrichtenagentur AFP - sollen falsche Informationen auf seiner Plattform und auf Instagram herausgefiltert werden.

Wissenschaftler Bergstrom sieht in solchen Maßnahmen nichts als "Heuchelei". Schließlich förderten die Werbealgorithmen und Geschäftsmodelle der Plattformen die Verbreitung sensationeller oder irreführender Inhalte. "Ein Social-Media-Unternehmen, das behauptet, sich aktiv am Kampf gegen Fehlinformationen zu beteiligen, ist wie der Tabakhersteller Philip Morris, der sagt, er sei aktiv am Kampf gegen Lungenkrebs beteiligt", sagt Bergstrom.