Serbische Soldaten bereiten in der Nähe von Belgrad eine Corona-Notstation vor. 
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Der stellvertretende Gouverneur der noritalienischen Region Friaul-Julisch Venetien, Riccardo Riccardi, zeigt sich besorgt über die Entwicklung der Flüchtlingsbewegung entlang der sogenannten Balkan-Route. Er vermutet laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa, dass Flüchtlinge, die asymptomatisch mit dem Sars-Cov-2-Virus infiziert seien, nach Friaul einwandern und möglich Infektionen verursachen könnten. Riccardi zweifelt an der korrekten Überprüfung der Flüchtlinge durch die Gesundheitsbehörden in Bosnien, Serbien und Kroatien. Das italienische Solidaritätskonsortium (ICS) fordert die Behörden in der Region dagegen auf, keinen Alarm über eine mögliche Covid-19-Ansteckung aufgrund der Ankunft von Flüchtlingen auf der Balkanroute zu erzeugen. Das ICS gab an, dass sich ohnehin alle Asylsuchenden in Italien einer 14-tägigen Quarantäne unterziehen müssen. 

In Bosnien-Herzegowina ist die Zahl der Neuinfektionen vergangene Woche im Vergleich zur Vorwoche um 75 Prozent, in Serbien um 125 Prozent und in Kroatien um 232 Prozent gestiegen, melden die lokalen Gesundheitsbehörden. Die österreichische Regierung verhängte aufgrund dieser Zahlen eine erhöhte Sicherheitsstufe für Serbien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina, Nordmazedonien, Albanien und Kosovo. Österreicher, die sich in diesen Ländern aufgehalten haben, müssen bei der Rückkehr nach Österreich einen negativen Covid-19-Test vorweisen. Alternativ müssen sie sich zwei Wochen in Quarantäne begeben.

Am Montag hat Griechenland seine Grenze für serbische Bürger geschlossen, obwohl die EU die Einreise für Bürger aus 14 Drittstaaten, darunter Serbien, wieder erlaubt hatte. Das Einreiseverbot gilt nach Angaben der griechischen Behörden zunächst bis zum 15. Juli. 

Die den Maßnahmen zugrunde liegenden Angaben, wie viele Menschen aus welchen sozialen Schichten getestet wurden, fehlen ebenso wie Angaben darüber, ob vorrangig in Städten oder in ländlichen Gebieten getestet wurde. Das wäre relevant, weil es in den Balkanstaaten anders als in West-Europa Regionen mit einer Bevölkerungsstruktur gibt, die wenig bis gar keinen Kontakt zu Stadtbewohnern und den städtischen Infrastrukturen hat. 

Organisationen wie die ICS fürchten, dass das Coronavirus als Vorwand für eine neue restriktive Flüchtlingspolitik verwendet werden könnte. Wegen der Grenzschließungen im April ist die Zahl der illegalen Grenzübertritte auf der Balkan-Route nach Angaben der Grenzschutzbehörde Frontex im April um 94 Prozent gesunken. Das ist die niedrigste Zahl seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2009.