An Bord des Airbus A310 „Kurt Schumacher“ waren 124 Passagiere. Ihnen gehe es „den Umständen entsprechend sehr gut“, sagte Hessens Sozialminister. 
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Das Coronavirus breitet sich weiter aus. Nach chinesischen Angaben sind mittlerweile mehr als 300 Menschen an der Atemwegserkrankung gestorben. Allein in China seien bereits mehr als 14.300 Menschen infiziert, weltweit sollen sich mehr als 14.550 Menschen angesteckt haben. Unterdessen meldeten die Philippinen am Sonntag den ersten Todesfall außerhalb der Volksrepublik. Wie das Gesundheitsministerium in Manila mitteilte, handelt es sich bei dem Verstorbenen um einen 44-jährigen Mann aus der chinesischen Millionenmetropole Wuhan – die Stadt ist besonders stark von der Lungenkrankheit betroffen und gilt als Ursprungsort der Epidemie.

Am Samstag war ein Flugzeug der Bundeswehr aus Wuhan nach Frankfurt am Main zurückgekehrt. Unter den 124 Menschen an Bord sind nach aktuellem Stand zwei mit dem Coronavirus infiziert. Die zwei deutschen Staatsangehörigen wurden am Sonntag aus der Kaserne in Germersheim (Rheinland-Pfalz) in das Frankfurter Uniklinikum gebracht. Ihnen gehe es „den Umständen entsprechend sehr gut“, sagte der hessische Sozialminister Kai Klose (Grüne) in Frankfurt, der Ärztliche Direktor des Klinikums, Jürgen Graf, ergänzte, sie seien „medizinisch wohlauf“.

Rückkehrer müssen zwei Wochen in Quarantäne bleiben

Ein weiterer Verdachtsfall bestätigte sich nicht. Unabhängig davon müssen die übrigen aus Wuhan zurückgebrachten Passagiere zwei Wochen in Quarantäne bleiben – so lange dauert die maximale Inkubationszeit. Unter ihnen befinden sich 100 Deutsche und ihre Angehörigen: 22 Chinesen, ein US-Bürger und ein Rumäne. An dem Standort der Germersheimer Kaserne stehen 128 Zimmer in einem 2018 fertiggestellten Gebäude bereit. Für die Bevölkerung in Germersheim, aber auch für die zivilen und militärischen Helfer bestehe „kein Grund zur Sorge“, hieß es am Sonntag.

Die Menschen seien im Quarantäne-Block auf drei getrennte Stockwerke verteilt, um die Ansteckungsgefahr möglichst gering zu halten, sagte der Sprecher der Luftwaffe. „Das grenzt den möglichen Kreis ein.“ Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Gesundheitsministeriums dürfen sich die Rückkehrenden in der Kaserne nur mit Mund-Nasen-Schutz bewegen. Am Montag sollen sie alle erneut auf den Virus getestet werden und dann wieder in einer Woche und am Ende der Quarantäne. „Dies erfolgt, um weitere Fälle möglichst früh zu erkennen und den übrigen Rückkehrenden zusätzliche Sicherheit zu geben“, hieß es.

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verteidigte am Sonntag die Informationspolitik von Bund und Ländern zum neuartigen Coronavirus. „Wir arbeiten mit bestmöglicher, größtmöglicher Transparenz“, sagte Spahn in Berlin. Dafür sei aus seiner Sicht aber auch nötig, dass immer dann informiert werde, wenn es auch gesicherte Informationen gebe. Halbwissen und Verschwörungstheorien würden nicht helfen. Spahn sprach von einer „dynamischen Lage“ und fügte hinzu: Es käme jetzt darauf an, dass der Staat funktioniere. Allerdings müsse nun die Staatengemeinschaft gemeinsam gegen das Virus vorgehen. „Es bringt ja nichts, wenn ein Land alleine Maßnahmen ergreift, schon gar nicht in Europa.“

Von den zwei Frankfurter Fällen abgesehen, gibt es in Deutschland acht weitere bestätigte Infektionen. Sie stehen alle im Zusammenhang mit der Firma Webasto in Bayern. Darunter sind sieben Angestellte des Autozulieferers, außerdem hat einer von ihnen sein Kind angesteckt. Spahn sagte, alle seien „in sehr gutem gesundheitlichem Zustand.“ Ein weiterer mit dem Virus infizierter Deutscher sei auf der spanischen Kanareninsel La Gomera registriert worden. Er sei mit einem der in Deutschland erkrankten Patienten in Kontakt gewesen.

Chinesische Zentralbank will Devisenmarkt stabil halten

Was die Bekämpfung des neuartigen Coronavirus betrifft, meldete das thailändische Gesundheitsministerium am Sonntag, dass mit einem Cocktail aus Grippe- und HIV-Medikamenten erfolgreich experimentiert wurde. Der Zustand einer mit dem Virus infizierten Frau aus China habe sich nach der Gabe des Medikamentencocktails dramatisch verbessert, hieß es aus Bangkok. Binnen 48 Stunden nach dem Beginn der Behandlung sei das Virus bei der Patientin nicht mehr nachweisbar gewesen.

In Italien teilte unterdessen Gesundheitsminister Roberto Speranza mit, dass Forscher das Coronavirus isoliert haben: „Das ist international eine wichtige Nachricht. Sie bedeutet, dass es mehr Möglichkeiten gibt, es zu verstehen und zu studieren, um es eindämmen zu können.“

In China wappnet man sich derweil gegen wirtschaftliche Folgen der Epidemie. Weil die rasante Ausbreitung des Coronavirus auch die heimischen Märkte beeinflussen könne, erklärte die chinesische Zentralbank am Sonntag, werde sie zur Öffnung der Finanzmärkte nach den verlängerten Neujahrsferien am Montag 1,2 Trillionen Yuan (156 Milliarden Euro) bereitstellen.

Ziel sei es, das Bankensystem mit ausreichend Geld zu versorgen und den Devisenmarkt stabil zu halten. In Hongkong drohten Tausende Mitarbeiter der staatlichen Krankenhäuser, in den Streik zu treten, sollte die Grenze der Metropole zu Festland-China nicht geschlossen werden.

In Berlin ist von dem Coronavirus noch keine Spur. Eine Entspannung bedeutet das nicht unbedingt, denn in der Hauptstadt rollt die Grippe-Welle: Die Zahl der nachgewiesenen Fälle in dieser Saison ist auf mehr als 1000 gestiegen – ein Mensch starb an den Folgen der Virusinfektion. Das geht aus dem Wochenbericht des Landesamts für Gesundheit und Soziales hervor. Am stärksten grassiert die Grippe den Meldezahlen zufolge bisher bei Kindern im Alter bis zu vier Jahren. Von den Bezirken ist Pankow besonders betroffen. (mit dpa)