Zur Eindämmung des neuartigen Coronavirus werden alle geplanten Veranstaltungen in den großen Sälen der staatlichen Theater, Opern- und Konzerthäuser in Berlin abgesagt.
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BerlinBerlin schließt wegen des Coronavirus seine staatlichen Theater, Opern und Konzerthäuser. Betroffen sind die Großen Säle von Institutionen wie dem Friedrichstadt-Palast, dem Konzerthaus am Gendarmenmarkt, den drei Opernhäusern oder der Volksbühne. Das Verbot, das Kultursenator Klaus Lederer (Linke) am Dienstag erließ, gilt ab Mittwoch und vorerst bis zum Ende der Osterferien am 19. April.

Er empfehle auch den großen Privattheatern so zu verfahren, so Lederer. Ein generelles Verbot für große Veranstaltungen gibt es jedoch in Berlin zunächst weiter nicht. Das erklärte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD).

Müller fordert bundeseinheitliche Regelungen

Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg waren die ersten, die der Empfehlung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) folgten, Großveranstaltungen zu untersagen, um die Verbreitung des neuartigen Coronavirus zu verlangsamen.

Andere Länder wie Thüringen, Bremen, Schleswig-Holstein, Hessen oder Rheinland-Pfalz nahmen den Vorschlag ebenfalls auf. Müller verwies auf einer Sitzung der Ministerpräsidenten der Länder am Donnerstag im Kanzleramt. Von dort erwarte er bundeseinheitliche Regelungen. Er wolle keinen „Flickenteppich“ an Regelungen.

In Berlin sind derzeit 58 Fälle des Coronavirus bestätigt, wie die Gesundheitsverwaltung am Dienstagnachmittag meldete – dabei handelt es sich um jeweils 29 Frauen und Männer. Tags zuvor waren es noch 48 Fälle. Im Rahmen der geltenden Eindämmungsstrategie des Virus würden die Kontaktpersonen ermittelt, kontaktiert und isoliert, hieß es weiter. 54 Personen befänden sich in häuslicher Isolation, vier würden im Krankenhaus isoliert und behandelt.

"Sachgerechte" Reaktion in Berlin

Der Senat spricht zwar von einer „dynamischen Entwicklung“ bei der Ausbreitung des Coronavirus, ändert seine Vorgehensweise aber vorerst nicht generell. „Wir haben heute nicht irgendwelche Zwangsmaßnahmen verabschiedet“, berichtete Müller aus der Senatssitzung.

Bei der Sitzung habe sich der Senat von Fachleuten der Charité wie Klinikchef Heyo Kroemer, dem Ärztlichen Direktor Ulrich Frei und dem Chef-Virologen Christian Drosten sogar bescheinigen lassen, dass Berlin bisher „sehr gut, besonnen und sachgerecht“ reagiert habe.

Dazu gehöre auch, dass die zuständigen Gesundheitsämter der Bezirke vorerst weiter für jede Veranstaltung eine Risikoabwägung vornehmen und am Ende eine individuelle Entscheidung treffen, so Müller. Das trifft etwa weiterhin auf Veranstaltungen in kleineren Theatern, Opern und Konzerthäusern sowie für Säle mit bis zu 500 Zuschauern zu. Dort sollten Veranstalter eine Risikoanalyse gemäß den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts vornehmen und auf dieser Basis eigenverantwortlich entscheiden, ob Veranstaltungen möglich sind.

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Gravierende Auswirkungen in NRW, Bayern und im Sport

Vom Virus besonders betroffen ist Nordrhein-Westfalen. Zwischen Rhein und Ruhr werden Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern untersagt – ohne zeitliche Befristung. Wie Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sagte, könne niemand sagen, wie lange die Epidemie anhalte. Deshalb sei eine unbefristete Entscheidung richtig. Das sei auch „eine Solidaritätsfrage“.

Bayern hat ein Verbot von Großveranstaltungen ab 1000 Teilnehmern zunächst bis zum Ende der bayerischen Osterferien am 19. April beschlossen, wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte. Bei Veranstaltungen von 500 bis 1000 Teilnehmern sollten die Kreisverwaltungsbehörden eine Risikobewertung im Einzelfall vornehmen.

Gravierende Auswirkungen sind auch bei Fußballspielen zu erwarten. So werden die Bundesligapartien Hoffenheim–Hertha, Dortmund–Schalke und Mönchengladbach–Köln ohne Publikum ausgetragen. Der 1. FC Union will dagegen beim Spiel am Sonnabend gegen Bayern München nicht auf seine Fans verzichten. Die Deutsche Eishockeyliga sagte die Playoffs ab. In diesem Jahr wird es keinen deutschen Meister geben.

Auch international wird reagiert

Österreich beschloss erhebliche Einschränkungen des Reiseverkehrs aus Italien. Die Einreise werde weitgehend gestoppt, sagte Kanzler Sebastian Kurz. Ausnahmen seien nur mit ärztlichem Attest möglich. Bis Anfang April werden Veranstaltungen in geschlossenen Räumen mit mehr als 100 Menschen verboten.

Mit 25 Milliarden Euro will die Europäische Union die Wirtschaft gegen die schlimmsten Folgen der Covid-19-Epidemie wappnen. Nach einer Videokonferenz der Staats- und Regierungschefs kündigte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Dienstag einen entsprechenden Fonds an. Das Geld komme aus den Strukturfonds und solle rasch fließen, sagte von der Leyen. Die EU wolle damit unter anderem das Gesundheitswesen, den Arbeitsmarkt sowie kleinere und mittlere Unternehmen stützen.

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