Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit.
Foto: dpa/Kay Nietfeld

BerlinDie Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Deutschland werden noch mindestens bis Ostern im jetzigen Umfang aufrecht erhalten bleiben. Danach könnte es unter Umständen Lockerungen geben. Das erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag. "Wenn wir bis Ostern konsequent sind, können wir unter Umständen über so etwas reden", sagte Spahn in Berlin. "Das werden wir aber erst in ein paar Tagen in der Statistik sehen." 

Von Südkorea lernen und Handydaten nutzen

Laut Spahn könne man sich aber vermutlich nach Ostern mit der Frage beschäftigen, ob man bestimmte Bevölkerungsgruppen besonders schütze und für andere die Kontaktverbote aufhebe. Er sprach sich erneut dafür aus, auch Handydaten zu nutzen wie in Südkorea, um die Verbreitung des Virus genauer zu beobachten. "Man könnte Freiheiten des Alltags leichter zurückbekommen, wenn es schneller geht, Ausbrüche zu erkennen", so Spahn.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht noch keinen Grund, über eine Lockerung der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zu sprechen. „Es kann noch nicht der Zeitpunkt sein“, sagte sie am Donnerstag in Berlin. Im Moment dauere es immer noch nur vier bis fünf Tage, bis sich die Infektionen verdoppeln. Diese Zeitspanne müsse sehr viel weiter gestreckt werden. Deswegen müsse sie die Menschen in Deutschland um Geduld bitten.

Immer noch am Anfang der Welle

Noch gebe es keine sichere Aussage darüber, ob sich Dynamik der Infektion abschwächt, erklärte der Präsident des Robert-Koch-Institutes, Lothar Wieler. "Wir stehen immer noch am Anfang, die Zahlen werden weiter steigen."

Laut RKI haben sind in den vergangenen 24 Stunden 5000 neue Krankheitsfälle gemeldet worden.  Insgesamt gebe es in Deutschland nun rund 36.500 Covid 19-Kranke, 198 Menschen seien an der Krankheit bereits verstorben. Wieler wies darauf hin, dass die Verbreitung des Virus in den Bundesländern stark variiere. 

Kassenärzte beruhigen

In den deutschen Kliniken sieht man sich gut vorbereitet, auch wenn die Zahl der Kranken weiter steigt. "Wir halten Versorgung für 83 Millionen Deutsche vor, und nicht nur für Teile davon", sagte der  Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen. Er plädierte dafür, Coronatests weiterhin zielgerichtet einzusetzen. Es mache keinen Sinn, Menschen ohne Symptome zu testen. Seit dem 9. März seien in Deutschland insgesamt 410.000 Test vorgenommen worden. Derzeit würden 250.000 Test pro Woche durchgeführt, dies ließe sich bis auf 360.000 steigern.

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