Crystal Meth, Legal Highs, Ecstasy: Mehr Tote durch synthetische Drogen

Berlin - Ecstasy war die Partydroge der Technoszene in den 90er Jahren. Lange waren die Pillen dann nicht mehr in Mode, doch nun boomen sie wieder: Immer mehr Menschen in Deutschland greifen zu hochgefährlichen künstlichen Drogen wie Crystal Meth, Legal Highs  oder eben Ecstasy. Insgesamt starben im vergangenen Jahr 1032 Menschen wegen ihres Drogenkonsums - 30 mehr als im Vorjahr, wie Bundeskriminalamt und Bundesregierung am Dienstag mitteilten. Während die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Heroin oder Kokain sinkt, sterben immer Menschen an  synthetischen Drogen.

Festgemacht wird die Art und Weise des Rauschgiftgebrauchs an den sogenannten „Erstauffälligen Konsumenten harter Drogen“: - im Polizeijargon abgekürzt als EKhD. Hier zeigen sich bei Heroin, Kokain oder Crack tatsächlich durchgängig  sinkende Zahlen.

Den größten Anstieg gab es bei Ecstasy mit 2096 Fällen (plus 42 Prozent). Bei Crystal betrug das Plus 14 Prozent.  3138 Erstkonsumenten wurden hier erfasst. Synthetische Drogen hätten eine immer größere Bedeutung, sagte der Chef des Bundeskriminalamtes, Holger Münch. Die Rolle von pflanzlichen Drogen sinke dagegen - mit Ausnahme von Cannabis. Gleichwohl sterben noch immer die meisten Menschen an einer Überdosis Heroin, meist in Verbindung mit anderen Rauschgiften.

Künstliche Drogen bereiten Sorge

Besondere Sorgen bereiten der Regierung und der Polizei Crystal Meth und die „Neuen Psychoaktiven Stoffe“,  oft als  Legal Highs bezeichnet. Durch  den Gebrauch dieser Substanzen starben 2014 25 Menschen - im Vorjahr waren es erst fünf.  BKA-Chef Münch berichtete, dass die Polizei immer wieder auf ganze Gruppen von Konsumenten stoße, die sich durch  Legal Highs vergiftet hätten. Die Symptome reichten von Übelkeit, Erbrechen und Herzrasen bis hin zum Orientierungsverlust. Legal  Highs sind synthetische Rauschmittel, die insbesondere im Internet als „Badesalz“ oder „Kräutermischungen“ angeboten werden. Deren Molekülstruktur ist gegenüber bereits verbotenen Substanzen leicht verändert, so dass sie legal verkauft werden können. Laut BKA gibt es rund 1500 Produkte dieser Art mit rund 160 unterschiedlichen Wirkstoffen. Jeden Tag kämen in Europa zwei neue Wirkstoffe hinzu.

Bisher werden die Stoffe durch immer neue Änderungen des Betäubungsmittelgesetzes einzeln verboten. Kaum wird eine Substanz jedoch für illegal erklärt,  kommen neue Variationen auf den Markt. Daher wird seit der vorigen Wahlperiode in der Bundesregierung nach  einem Weg gesucht, ganze Gruppen von  Substanzen auf einen Schlag verbieten zu können.  Offenbar ist  nun eine  Lösung  absehbar. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, kündigte  für dieses Jahr ein neues Gesetz an. Es werde eine „mutige Lösung“ geben, sagte sie, ohne  jedoch Details zu nennen.

Crystal hat Berlin erreicht

Crystal Meth hat sich nach Angaben Mortlers  mittlerweile deutlich über die Grenzregionen zu Tschechien hinaus ausgebreitet, wo die Droge vielfach in kleinen Rauschgiftküchen hergestellt wird. So habe Crystal längst auch die Hauptstadt Berlin erreicht, berichtete die CSU-Politikerin. Sie sprach sich erneut vehement gegen eine Legalisierung von Cannabis aus, was nicht nur von den Grünen, sondern mittlerweile auch von Strafrechtlern und Kriminalbeamten gefordert wird. BKA-Chef Münch schloss sich der Auffassung der Drogenbeauftragten an. Es könne doch nicht darum gehen, ob man durch eine Entkriminalisierung kurzfristig „ein wenig Arbeit“ bei der Polizei einspare. Vielmehr setze man mit der Legalisierung ein völlig falsches Signal für die Jugendlichen.