München - Auf den Plätzen der CSU-Delegierten liegt eine blaue DIN-A-4-Broschüre. Ein hell strahlender Stern strahlt von der rechten Seite Richtung Titel. „Die Ordnung“, steht dort. Ein Bibelersatz, die Infobroschüre einer Sekte? Auf jeden Fall ist es etwas, was bei CSU-Chef Horst Seehofer Euphorie hervorruft. Das sagt er zumindest. „Die Ordnung“ ist das neue Grundsatzprogramm der CSU. Seehofer spricht von einem „glücklichen Moment“, dass er es in der Hand halten kann. Parteivorsitzendenprosa dürfte das wohl sein, aber ein bisschen großes Gefühl kann so ein Parteitag ja schon gebrauchen.

Seehofer spricht von einer „Sternstunde unserer Partei“ – das neue Programm versucht, mit Begriffen wie Leitkultur die CSU als „konservative Zukunftspartei“ zu definieren, um der AfD nicht zu viele Wähler zu überlassen. In Bayern liegt die in Umfragen derzeit bei etwa neun Prozent. „Wir umfassen auch das demokratische Spektrum rechts der Mitte“, betont Seehofer. Dazu gehörten auch Nationalkonservative und „wertegebundene Menschen“, die manchmal auch fundamentalistisch seien. Die wolle man nicht aufgeben. Dazu passt, dass die CSU als Motto für den Bundestagswahlkampf 2017 vorgibt: „Linksrutsch verhindern.“

Merkel wegen Streit über Flüchtlingspolitik nicht anwesend

Die Hürde für die CSU ist dabei die Einigung mit der CDU und Angela Merkel, die wegen des fortwährenden Streits über die Flüchtlingspolitik dem Parteitag fern geblieben ist. „Unser Gegner ist nicht die CDU“, hat Seehofer den Delegierten vorsorglich noch mal mitgegeben. Es ist eine etwas kuriose Bemerkung für eine Schwesterpartei, genauso wie der Satz im Leitantrag des Parteitags: „Wir setzen nicht auf Scheitern.“ Nicht alles scheint in der CSU selbstverständlich zu sein.

Eine Schwierigkeit für die CSU ist auch der Kampf um die Seehofer-Nachfolge. Die hat der Parteichef selbst befeuert, indem er frühzeitig seinen Rückzug vor der Landtagswahl 2018 ankündigte. Landesfinanzminister Markus Söder zelebriert sich seitdem als Ministerpräsident im Wartestand – was Seehofer seine Ankündigung revidieren ließ. Zuletzt hat er Söder zu bremsen versucht, indem er den Parteivorsitz mit der Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl verband. Söder will ausdrücklich nicht nach Berlin.

Auf dem Parteitag ist vor allem eins auffällig: Es gibt keine der üblichen Lobeshymnen für alle Landesminister, also auch nicht für Söder oder seine als weniger chancenreich geltende Konkurrentin Ilse Aigner, die Landeswirtschaftsministerin. Söder kann sich mittelbar angesprochen fühlen, als Seehofer mahnt, CSU-Politiker dürften „nicht verbissen, sondern fröhlich“ auftreten. Verbale Streicheleinheiten gibt es von ihm für Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und dem Mann, der das angeblich glücklich machende Grundsatzprogramm erarbeitet hat, dem Landtagsabgeordneten Markus Blume. Er werde jetzt darüber nachdenken, „was wir mit Dir denn künftig in der Partei anstellen“, sagt Seehofer. Ein neuer Anlass für Spekulationen im CSU-Personalkarussel.

Eine andere Diskussion beendet der Parteitag klar: Den Antrag des fränkischen CSU-Kommunalpolitikers Thomas Schmitt, Merkel nicht mehr als Kanzlerkandidatin zu unterstützen, lehnen die Delegierten klar ab.