Berlin - Die Corona-Pandemie ist für Cyberkriminelle hoch lukrativ. Das Bundeskriminalamt erfasste im vergangenen Jahr mehr als 108.000 Fälle von  Cybercrime: Straftaten, die sich gegen das Internet, informationstechnische Systeme oder deren Daten richten. Wie aus dem am Montag vom BKA vorgestellten aktuellen „Lagebild Cybercrime“ hervorgeht, ist das ein Anstieg von rund acht Prozent zum Vorjahr. Seit 2015 haben sich diese Fallzahlen damit mehr als verdoppelt.

Den größten Anteil an den Cybercrime-Fällen macht Computerbetrug aus. Auch bei der „Fälschung beweiserheblicher Daten – wenn jemand unter Vortäuschung einer Legende zur Preisgabe von Account-Informationen, Kreditkartendaten oder zu Zahlungen bewegt werden soll - gab es einen hohen Anstieg.

„Die Corona-Pandemie hat einen enormen Digitalisierungsschub verursacht. In der Folge eröffnen sich aber auch den Cyberkriminellen täglich neue Tatgelegenheiten“, sagte der Leiter der BKA-Abteilung Cybercrime Carsten Meywirth am Montag.

Steigerungsraten im hohen zweistelligen Bereich gibt es auch im Bereich der Datenveränderungen, der Computersabotage, etwa durch das Aufspielen von Malware. Zudem benötigten die Täter kaum noch eigene technische Kenntnisse, weil sich eine kriminelle Dienstleistungsindustrie herausgebildet habe. „Erbrachte Leistungen kann man anschließend bewerten, wie auf legalen Plattformen“, sagt Meywirth. Die zunehmende Professionalisierung und die Angebote im Netz sowie die steigenden Fähigkeiten von Schadsoftware seien der Grund für die vergleichsweise niedrige Aufklärungsquote von 32 Prozent.

Auch „Cybercrime im weiteren Sinne“, wie es das BKA definiert, also Straftaten, bei denen das Internet als „Tatmittel“ genutzt wird, nahm massiv zu. So stieg die Zahl der Internet-Straftaten im vergangenen Jahr um 8,7 Prozent auf über 320.000 Fälle. Dazu gehört unter anderem der Handel mit kinderpornografischem Material und der Drogenverkauf über das Darknet.

Bei Cybercrime gibt es laut BKA ein überdurchschnittlich großes Dunkelfeld. Aus verschiedenen Gründen werden Straftaten vor allem von Unternehmen nicht angezeigt.

Im vergangenen Jahr verübten Kriminelle einige verheerende Cyberangriffe. So wurde Anfang vergangenen Jahres das Berliner Kammergericht mit dem Virus „Emotet“ verseucht, der dafür konstruiert war, Daten zu stehlen. Die Urheber des Virus konnten inzwischen ermittelt und die Schadsoftware unschädlich gemacht werden.

Ransomware zählte laut Lagebild 2020 zu den primären Bedrohungen für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen. Dabei werden sämtliche Systeme verschlüsselt. Von allen Modi operandi im Phänomenbereich Cybercrime besitzt Ransomware laut Bericht das höchste Schadenspotenzial. Eine Infektion mit Ransomware und eine damit zusammenhängende Verschlüsselung des Systems kann für jede Art von Unternehmen zu massiven und teuren Geschäftsunterbrechungen führen.

Eine sogenannte Ransomware-Attacke auf kritische Infrastruktur gab es etwa auf das Universitätsklinikum Düsseldorf. Dort wurden mittels Virus sämtliche Daten verschlüsselt. Die Klinik wurde erpresst, nur bei Zahlung eines Lösegeldes ihre Daten wiederzubekommen.

Im Januar und Februar dieses Jahres kam es zu einem weltweiten Angriff auf Exchange-Server. Über die mutmaßlichen Urheber und die erwarteten Schäden der Attacke machte das BKA „aus ermittlungstaktischen Gründen“ keine Angaben.

Meywirth appellierte: „Achten Sie auf Ihre Daten im Internet und schützen Sie Ihre Technik! Jeder erfolgreiche Angriff ist Nährboden für weitere Taten.“