Zwei Außenminister im Park: Heiko Maas mit seinem chinesischen Kollegen Wang Yi
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BerlinSchön, dass wir darüber gesprochen haben. Das sagt man ja gerne, wenn eine Unterredung so gar kein Ergebnis hatte. Es ist dann meistens ironisch gemeint. Ein Gespräch, bei dem nichts herauskommt, kann man sich ja auch sparen, oder?

Würde man das allerdings ernst nehmen, müsste die halbe Diplomatie abgeschafft werden. Da werden schließlich zuhauf Verhandlungen geführt, deren einziger Ertrag ist, dass sie stattgefunden haben. Und das ist dann schon ein Erfolg. Immer im Gespräch bleiben, lautet die Devise. Solange verhandelt wird, wird schließlich nicht geschossen.

In unseren Tagen sind die Beziehungen der Staaten zueinander natürlich eher durch Handelsabkommen als durch Friedensverträge definiert. Wer voneinander abhängt, der bekriegt sich nicht. Das chinesisch-deutsche Verhältnis ist in dieser Hinsicht von großer Harmonie geprägt. Dass das Reich der Mitte die Rechte seiner eigenen Bürgerinnen und Bürger mit Füßen tritt, ist für die meisten deutschen Firmen, die dort investieren, seit Jahrzehnten offenbar kein großes Problem. Ein Grund dafür könnte sein, dass von breitem Aufbegehren in China keine Rede sein kann. Einzelnen Regime-Gegnern hilft die deutsche Regierung, aber eher diskret.

In Hongkong aber ist auch mit viel gutem Willen nicht zu übersehen, dass hier vor aller Augen mit brutalen polizeistaatlichen Mitteln eine Demokratie vernichtet wird. Die Bürger wehren sich und haben mit furchtbaren Konsequenzen zu rechnen. Natürlich fordern sie, dass Deutschland den Mund aufmacht – als Führungsland in Europa, als langjähriger Handelspartner von China. Außenminister Heiko Maas ist im Verhältnis zu China bisher sehr vorsichtig aufgetreten, gelinde gesagt. Dass er seinem chinesischen Amtskollegen nun in Sachen Hongkong auf den Zahn fühlt, ist ein guter Anfang. Mehr allerdings noch nicht.