Berlin - Am Ende dieser Legislaturperiode geraten jetzt auch noch die letzten sicher geglaubten Wahrheiten ins Wanken. Zwei Jahre hat die Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig genau das verkörpert, was man von einer Drogenbeauftragten mit CSU-Parteibuch erwartet: Klare Kante gegen Cannabis und Co.

Ludwig hat damit sogar eine beträchtliche YouTube-Popularität erworben: Bei der Vorstellung des Drogenberichtes erklärte sie auf Nachfrage: „Nur weil Alkohol gefährlich ist – unbestritten – ist Cannabis kein Brokkoli“ und schickte dem Satz noch ein provozierendes „Okay?“ hinterher. Damit wollte sie suggerieren, dass sie auf Zack ist, wenn kritische Nachfragen kommen. Die Internet-Videos zu diesem Thema haben allerdings einen deutlich satirischen Unterton – immerhin aber auch fünf- bis sechsstellige Aufrufraten, was ja nicht schlecht ist für eine 46-jährige konservative Politikerin.

Nun aber könnte alles anders werden: Daniela Ludwig hat angeregt, dass eine neue Bundesregierung die Rechtslage für den Besitz von Cannabis neu regelt. Wer eine geringe Menge der Droge bei sich hat, wird heute schon in vielen Bundesländern nicht mehr strafrechtlich verfolgt. Wenn es nach Ludwig geht, könnte das bald bundesweit so sein – jedenfalls bis zu einer Grenze von sechs Gramm Cannabis. In Berlin darf man übrigens bis zu 15 Gramm dabeihaben. Das ist Ludwig natürlich zu viel.

Drogenbeauftragte: Kampagne gegen Cannabis

Dennoch ist ihr Vorschlag, den sie in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland unterbreitet hat, geradezu ein Quantensprung. Bisher galt bei ihr immer die Devise: Über Cannabis gibt’s keine Diskussionen. Erst in diesem Sommer hat die Drogenbeauftragte eine Kampagne ins Leben gerufen, die jugendliche Cannabis-User zum Umdenken bewegen sollte. Der dazugehörige Instagram-Account brachte es bis jetzt allerdings erst auf magere 1752 Abonnenten. Auf YouTube findet man die Kampagne „Mach Dich schlau“ erst gar nicht – wohl aber viele mehr oder weniger hämische Gegenentwürfe dazu. Und jede Menge Videos mit wissenschaftlichen Informationen zum Thema Cannabis. Vielleicht sich Daniela Ludwig ja dort schlau gemacht.