Berlin - Das war zum Schluss eine faustdicke Überraschung. Fast eine Stunde lang argumentierte die Richterin Vanessa Baraitser vor dem Gericht Old Bailey in London, warum der Prozess gegen Julian Assange ihrer Meinung nach völlig in Ordnung gegangen war. Und entschied dann, dass er nicht an die USA ausgeliefert werden darf.

Verfolgen konnte man dies auf dem Twitter-Account des Journalisten James Doleman (@jamesdoleman), der als einer von ganz wenigen den Auslieferungsprozess gegen den Wikileasks-Gründer von Anfang an mit verfolgt hat. Danach hat die Richterin ein Argument nach dem anderen aufgelistet, warum es gerechtfertigt war, gegen Assange vorzugehen. Er sei eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA gewesen. Der Prozess gegen ihn sei nicht aus politischen Gründen erfolgt, sondern weil er ungerechtfertigt Daten an die Öffentlichkeit gegeben habe. Meinungs- und Informationsfreiheit gebe niemandem das Recht, jedes mögliche Dokument zu veröffentlichen. Was Assange getan habe, sei kein investigativer Journalismus gewesen.

Seine Abschiebung in die USA lehnte sie dennoch ab – aus gesundheitlichen Gründen. Assange gilt als selbstmordgefährdet. Die Haftbedingungen in den USA, das gab auch die Richterin zu, wären unmenschlich.

Ob Assanges Leidensweg damit zu Ende ist, ist aber noch unklar. Die Ankläger aus den USA haben nun 15 Tage Zeit, um gegen das Urteil Berufung einzulegen. Assange soll mindestens so lange in Haft bleiben.

Dennoch dürfte das für ihn einer der glücklichsten Tage der letzten Jahre sein. Endlich zeichnet sich eine humanitäre Lösung für ihn ab. Vielleicht hat dazu auch beigetragen, dass mehr und mehr Politikerinnen und Politiker dies gefordert haben.

Wahr ist allerdings auch: Dies ist keine Entscheidung für die Pressefreiheit. Wer sich die Urteilsbegründung von Richterin Baraitser durchliest, wird viele Gründe finden, warum dafür weiter gekämpft werden muss. Für Assange bleibt zu hoffen, dass er bald freigelassen wird. Das Grundgefühl dieses Montags ist Erleichterung, nicht Genugtuung.