Will  AfD-Bundesvorsitzender werden: Wolfgang Gedeon aus Baden-Württemberg. Er ist wegen vermeintlich antisemitischer Äußerungen umstritten in der eigenen Partei. 
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Berlin Nur wenige Stunden vor Beginn des Bundesparteitages der AfD an diesem Freitagabend ist das Bewerberfeld um die beiden Posten des Parteivorsitzes noch einmal deutlich größer - und der Ausgang damit unkalkulierbarer geworden. 

Am Donnerstagabend hat der auch parteiintern umstrittene baden-württembergische Landtagsabgeordnete Wolfgang Gedeon seine Kandidatur für den Parteivorsitz bekannt gegeben. Das teilte er auf der entsprechenden Online-Seite der AfD mit. Dort attackierte er auch den Bundesvorstand: Es sei skandalös, wenn dieser versuche, durch Parteiausschlussverfahren den innerparteilichen Meinungskampf zu seinen Gunsten zu steuern, schrieb er.

Ende Oktober war ein Parteiausschlussverfahren gegen den wegen Antisemitismusvorwürfen vorbelasteten Landtagsabgeordneten erneut gescheitert. Der baden-württembergische Landesvorstand hatte ebenfalls schon den Parteiausschluss gegen Gedeon angestrebt - das Landesschiedsgericht im Südwesten wies den Antrag aber unter Verweis auf formale Gründe zurück. Gedeon selbst weist die Antisemitismus-Vorwürfe zurück. Er sitzt derzeit als fraktionsloser Abgeordneter im Parlament und löst mit seinen Redebeiträgen immer wieder Empörung aus.

Berliner Curio kandidiert ebenfalls

Das Feld der Bewerber ist in den vergangenen Tagen aber noch einmal unübersichtlicher geworden. Vor allem der Berliner Bundestagsabgeordnete Gottfried Curio hat die Planungen für den Bundesparteitag mit seiner Kandidatur noch einmal kräftig durcheinandergewirbelt.

Als chancenreiche Kandidatinnen gelten auch die niedersächsische Landeschefin Dana Guth und die Bundestagsabgeordnete Nicole Höchst. Der Co-Vorsitzende und Bundestagsfraktionschef Alexander Gauland will nach eigenem Bekunden erst auf dem Parteitag entscheiden, ob er erneut antritt.

Als aussichtsreiche Kandidaten für die zwei Co-Vorsitzenden-Posten gelten bislang der aktuelle Vorsitzende Jörg Meuthen und der sächsische Bundestagsabgeordnete Tino Chrupalla. Letzterer wird von Co-Vorsitzenden und Fraktionschef im Bundestag Alexander Gauland unterstützt, der eigentlich aufhören will. Er schloss aber nicht aus, dass er unter Umständen noch einmal antritt, sollte einer der Kandidaten keine Mehrheit bekommen.