Berlin/Washington - Es ist ja nicht so, als hätten Frauen in der US-Politik bisher keine Rolle gespielt. Es gab Madeleine Albright, die erste, unerschrockene Außenministerin. Condoleeza Rice, ihre Nachfolgerin und die erste afroamerikanische Frau in diesem Amt. Und natürlich Hillary Clinton, immer wieder Hillary Clinton. Schon als junge First Lady wollte sie nicht bloß lächeln und Kekse backen, sondern nahm sich das Recht, in der Politik mitzureden, mit einem eigenen Entwurf für eine gesetzliche Krankenversicherung. Dann war sie die gedemütigte Ehefrau, die erhobenen Hauptes ihrem fremdgehenden Ehemann das politische Überleben (und wohl auch ihr eigenes) sicherte. Eine Erfahrung, die sie mit Millionen Paaren in den USA verband und für viele erst nahbar machte. Sie wurde die prominenteste Senatorin, dann Außenministerin und scheiterte schließlich erst mit dem letzten Schritt, die höchste gläserne Decke zu durchbrechen, als Präsidentschaftsbewerberin an Donald Trump. Zu dessen wichtigster Gegenspielerin im Kongress dann ebenfalls eine Frau wurde, Nancy Pelosi, die mächtige Sprecherin des Abgeordnetenhauses.

All diese Persönlichkeiten, Erfahrungen und Bilder schwingen mit, als Kamala Harris am vergangenen Sonnabend in Wilmington die auf einem riesigen Parkplatz errichtete Freilichtbühne zum ersten Mal als gewählte Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten betritt und, das darf man sagen, Geschichte schreibt. Als erste Frau und dazu als erste „Person of Color“ mit Eltern aus Indien und Jamaika hat sie das zweithöchste Amt der Vereinigten Staaten errungen. Das allein macht diesen Auftritt schon zum historischen Moment. Niemandem ist das mehr bewusst als ihr selbst, und sie zeigt es der Welt: Sie hat an diesem Abend auf ihre übliche dunkle Businesskleidung verzichtet und trägt einen strahlend weißen Hosenanzug, dazu eine weiße Seidenbluse mit großer Schleife.

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