Der Regierende Bürgermeister Michael Müller und seine Staatssekretärin Sawsan Chebli bei einer Bundesratssitzung.
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BerlinDie SPD hat den politischen Beobachtern eine recht interessante Woche beschert. Erst wird Olaf Scholz zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl gekürt – von eben jenen SPD-Vorsitzenden, die ursprünglich mal angetreten waren, ihn als Vizekanzler zu demontieren. Jetzt soll er Kanzler werden. In Berlin wiederum möchte die Partei gerne den amtierenden Regierenden Bürgermeister loswerden. Er soll dafür in den Bundestag wechseln. Und winkt bei der Frage nach einem Kabinettsposten keineswegs bescheiden ab. Die alte Tante SPD macht interessante Zweitkarrieren möglich.

In den vorliegenden Fällen gilt das allerdings nur für die involvierten Männer. Denn eine andere Kandidatin, die derzeitige Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli, droht beim Gekungel der Genossen aus dem Rennen gedrängt zu werden. Sie möchte in dem Wahlkreis antreten, den sich Müller erkoren hat, nachdem er vom Noch-Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert aus dem gemeinsamen Heimatwahlkreis vertrieben wurde. Sie hatte es vor Müller angemeldet, aber das nützt ihr jetzt auch nichts. Der Regierende beansprucht nicht nur den Wahlkreis, sondern auch gleich noch einen Spitzenplatz auf der Landesliste. Und das ist nun wirklich ein bisschen dreist.

Dass Kühnert in Tempelhof antritt, finden alle okay. Für Müller gibt es dann eben Charlottenburg-Wilmersdorf. Wenn der Kreisverband das befürwortet, warum nicht? Dass Kühnert und Müller aber auch noch um die aussichtsreichsten Listenplätze wetteifern, lässt einen mal wieder für die SPD fremdschämen. Da geht’s doch mal wieder um Posten statt ums Programm.

Wenn sich die Berliner SPD selbst noch ernst nehmen und auch von anderen ernst genommen werden will mit ihren politischen Forderungen nach Geschlechtergleichheit und Diversität, dann gibt es nur eine Lösung: Chebli muss sehr sichtbar auf der Landesliste platziert werden, ganz oben nämlich.