Berlin - Einen „Meilenstein für mehr Frauen in Führungspositionen“ nannte Bundesfrauenministerin Franziska Giffey (SPD) das sogenannte zweite Führungspositionengesetz, zu dem das Bundeskabinett am Mittwoch einen entsprechenden Entwurf verabschiedet hat. Sie muss sich dabei selbst albern vorgekommen sein.

Der Gesetzentwurf sieht vor, dass in Vorständen von börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmen, die mehr als drei Mitglieder haben, mindestens ein Mitglied eine Frau und ein Mitglied ein Mann sein muss. 

Was sich erst mal nach einem vernünftigen Start anhört, stellt sich bei genauerer Betrachtung als Mogelpackung heraus. Denn zum einen kann von einer wirklichen Frauenquote nicht die Rede sein: Ob der betreffende Vorstand nun aus vier oder vierzehn Personen besteht – solange eine Frau dabei ist, wäre dem Gesetz genüge getan.

Es steht also zu erwarten, dass sich etliche Firmen – wenn überhaupt – zur Berufung einer einzigen Frau in den Vorstand durchringen können, um sich dann auf der Tatsache auszuruhen, dem Gesetz genüge getan zu haben. Statt der vielgepriesenen Vorbildfunktion könnte sich damit sogar ein gegenteiliger Effekt einstellen: Während sich am Männerüberschuss nach wie vor niemand stört, müssen Frauen unter Umständen um den einen Platz an der Spitze konkurrieren. Schließlich vermittelt die Regelung den Eindruck, dass eine Frau im Vorstand nun wirklich genug ist. Mehr als genug sogar, denn das geplante Gesetz hält noch eine weitere Kuriosität bereit: Nach wie vor sind auch komplett männliche Vorstände erlaubt. Die Unternehmen müssen sie nur irgendwie begründen.

Ein Gesetz mit derartigen Schlupflöchern ist kein Meilenstein, sondern bestenfalls ein Sandkorn. Ob es im Getriebe des allgemeinen deutschen Unternehmenspatriarchats verfängt, ist mehr als fraglich.