Berlin - Es gibt Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens, die verweisen darauf, dass Absicherung auch Mut machen kann: ein kleines Geschäft aufzubauen, auch im fortgeschrittenen Alter etwas Neues zu lernen, eine Familie zu gründen. Ob es tatsächlich diesen Effekt hat, soll ein Pilotversuch klären, der an diesem Dienstag begann.

Es gibt andere Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens, die verweisen darauf, dass auf einen Schlag große Teile der Sozialbürokratie überflüssig würden.

Es gibt wiederum Gegner des bedingungslosen Grundeinkommens, die sperren sich dagegen, den Müßiggang anderer mit ihren hart erarbeiteten Steuern zu finanzieren.

Alle Positionen haben ihre Berechtigung, sind aber auch eher weltanschaulicher Natur. Ein anderer Aspekt findet dagegen wenig Beachtung in der Diskussion über die wohl radikalste Idee zum Umbau der Sozialsysteme. Das bedingungslose Grundeinkommen hätte das Potenzial, den Niedriglohnsektor auf den Kopf zu stellen.

Manche Jobs werden teurer - und andere werden verschwinden

Auch fünfzehn Jahre nach den Agenda-Reformen profitieren etliche Branchen davon, dass die Jobcenter ihre Klienten verpflichten, zumutbare Stellenangebote anzunehmen. Das können Hilfstätigkeiten in der Gastronomie oder auch in der Pflege sein. Unangenehme Billigjobs zu unangenehmen Tageszeiten, die niemand macht, der nicht muss.

Mindestens ein Teil dieser Jobs müsste also besser entlohnt werden, damit sich Interessenten finden. Andere werden einfach wegfallen – was ein Problem sein könnte, weil Niedriglohnjobs auch als Einstieg in den Arbeitsmarkt funktionieren, gerade für Migranten.

Das Grundeinkommen ist der größte Feind der Billigjobs, im Guten wie im Schlechten. Es würde einige Verteilungsfragen beantworten. Aber es würde auch neue aufwerfen. Die jetzt angelaufene Studie kann Erkenntnisse dazu liefern. Entscheidungen treffen muss die Gesellschaft aber selbst.