Eine Frau sucht nach Pfandflaschen. 
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BerlinWenn man sich anschaut, wo die aktuellen Corona-Ausbrüche stattgefunden haben, kommt man schnell auf ein Muster: Hochhäuser in Göttingen, ein Viertel in Berlin-Neukölln, Schlachtbetriebe mit einem hohen Anteil an Leiharbeitern aus dem Ausland, Asylbewerberunterkünfte. In den vergangenen Tagen schlugen die Betreiber von Frauenhäusern Alarm, dass sie wegen des hohen politischen Drucks die Hygiene- und Abstandsvorschriften in den Häusern nicht einhalten können. Offenbar gelingt es diesem reichen Land nicht, besonders die Ärmsten und Verletzlichsten vor dem Virus zu schützen. Arme Menschen haben ein größeres Risiko, an Corona schwer zu erkranken, stellte auch eine Studie der Uniklinik Düsseldorf fest.

Die ganzen Maßnahmen zur Bekämpfung der Krise, Bazookas und Wummse, Milliarden für Unternehmenshilfen, gehen offenbar in die völlig falsche Richtung. Statt die skandalösen Bedingungen im größten Fleischbetrieb Deutschlands, Tönnies, zu kritisieren, nutzte Ministerpräsident Arnim Laschet (CDU) im ZDF-Interview die Gelegenheit, um erst mal die Schuld auf Ausländer zu schieben: Rumänen und Bulgaren hätten das Virus mitgebracht. Rumänen? Bulgaren? Das erinnert an den Rassismus der 90er-Jahre. Und dieser Mann will Kanzler werden?

Die empörenden Arbeits- und Wohnbedingungen der Leiharbeiter in den Fleischbetrieben sind übrigens seit Jahren bekannt. Subunternehmer heuern Leiharbeiter an, diese verrichten in der Kälte schwere körperliche Arbeit und schlafen in beengten Sammelunterkünften. Manche bleiben ein paar Monate, andere Jahre. Die SPD hat jetzt versprochen, in der Fleischindustrie aufzuräumen, Arbeitsschutz zu verbessern, Werkverträge zu verbieten, strikte Kontrollen durchzusetzen. Ab 2021 sollen Werkverträge verboten werden. Für die vielen Kranken kommt das zu spät.