Ein junger republikanischer Senator möchte in der kommenden Woche für US-Präsident Donald Trump in den Ring steigen, um für diesen einen letzten, symbolischen Sieg zu erringen: Josh Hawley aus Missouri hat angekündigt, dass er gegen die Nominierung von Joe Biden als neuem Präsidenten der Vereinigten Staaten durch die Wahlmänner Einspruch erheben wird. Hawley sagte, die Wahl Bidens sei nur durch massiven Wahlbetrug und Verstöße gegen die Wahlgesetze zustande gekommen. Rund um die Uhr erreichten ihn entsprechende Wortmeldungen von Bürgern aus seinem Bundesstaat. Es sei seine Aufgabe, diese Bedenken zur Sprache zu bringen, sagte Hawley auf Fox News.

Hawleys Ankündigung wird von politischen Insidern auch der Republikaner allerdings weniger als echte Verteidigung für Trump gesehen als vielmehr der Versuch, sich selbst für die nächsten Präsidentenwahlen als junger Erbe des großen Populisten Trump zu positionieren.

Verhindern kann der Senator die Bestellung Bidens nämlich nicht mehr: Beide Kammern des Kongresses müssen das Votum der Wahlmänner bestätigen und es besteht kein Zweifel, dass es bei Bidens Sieg bleibt. Hawley hat lediglich die Möglichkeit, eine zweistündige Debatte über sein Anliegen zu erzwingen. Donald Trump, der noch immer sagt, dass Biden nicht rechtmäßig gewählt worden sei, hat in dieser Sache auf den letzten Metern sogar seinen engsten Vertrauten verloren: Vizepräsident Mike Pence hat ein Gericht gebeten, eine Klage von Trump-Unterstützern abzuweisen, die darauf abzielt, Pence müsse die Bestellung von Biden verhindern. Auch der zwischenzeitliche Trump-Fan Lindsey Graham hat bereits signalisiert, dass er es zwar für problematisch hält, wenn es Unregelmäßigkeiten bei der Wahl gegeben haben soll. Er forderte jedoch konkrete Belege, welche das Trump-Team allerdings bisher nicht beibringen konnte.

Das republikanische Establishment hält Trump noch für einige wenige Tage trotzdem die Treue – doch nicht aus Solidarität, sondern weil sich in der kommenden Woche entscheidet, wer aus dem Bundesstaat Georgia in den Senat einzieht. Aktuell wird Georgia von zwei Republikanern vertreten. Einen der beiden muss die Trump-Partei halten, um im Senat weiter die Mehrheit zu haben. Sollte sie beide verlieren, käme es im Senat zu einem Gleichstand von 50 zu 50. Dann würde das Votum von Vizepräsidentin Kamala Harris bei Abstimmungen den Ausschlag geben. Für die Republikaner wäre das eine Horror-Vorstellung. Senator Graham sagte auf Fox News, die Demokraten würden, wenn sie neben dem Weißen Haus und dem Repräsentantenhaus auch den Senat kontrollieren, das „gesamte Vermächtnis der Ära Trump“ zerstören.

In der Tat gehen die meisten Beobachter davon aus, dass die Demokraten keinen Stein auf dem anderen lassen werden, wenn sie durchregieren können. Für Donald Trump ist dieses Szenario noch aus einem anderen Grund unerfreulich: Die Demokraten dürften keine Gelegenheit auslassen, um Trump und seine Familie im Hinblick auf deren Aktivitäten in der US-Regierung zu verfolgen. Trump hatte vor allem seine Tochter Ivanka und seinen Schwiegersohn Jared Kushner mit weitreichenden Kompetenzen ausgestattet, die allerdings jeglicher parlamentarischer Kontrolle entzogen waren. Daher wird der Präsident in den kommenden Tagen höchstpersönlich nach Georgia reisen, um Wahlkampf zu betreiben.

Neben der Innenpolitik könnte Trump einen letzten Entlastungsangriff auf der außenpolitischen Bühne versuchen. Seit einigen Tagen fliegen B 52-Langstreckenbomber über die Gewässer am Persischen Golf und am Golf von Oman. Am 3. Januar ist der erste Jahrestag der von der US-Regierung verkündeten Ermordung des iranischen Generals Ghassem Soleimani im Irak durch US-Drohnen. Trump hat diese Aktion stets als besonderen Höhepunkt seiner Politik gepriesen, weil der General das „Blut Tausender amerikanischer Soldaten an seinen Händen habe“, wie Senator Graham sagte. Nun plant der Iran angeblich eine Racheaktion. Doch die iranische UN-Mission hat ihrerseits in einem Schreiben an UN-Generalsekretär António Guterres vor gefährlichen militärischen Abenteuern der USA gewarnt. „Kriegstreibende Maßnahmen“ könnten die Lage in der Region auf ein „alarmierendes Niveau“ bringen, heißt es in dem Schreiben.