Hochzeiten werden gerne groß gefeiert – doch seit Corona ist die Zahl der Gäste beschränkt. 
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Berlin - Neben der Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci fordert auch der Ärzteverband Marburger Bund bundesweit einheitliche Regeln für öffentliche und familiäre Festlichkeiten. Doch gut gemeint ist nicht immer gut durchdacht. Einerseits ist die Forderung nachvollziehbar. Wenn eine Hochzeit in Nordrhein-Westfalen mit 150 Menschen in geschlossenen Räumen gefeiert werden darf, in Berlin hingegen mit 500, liegt es nicht fern, dass die große Sause kurzerhand über die Landesgrenzen hinaus verlagert wird. Doch die Forderung ist nicht vermittelbar.

Warum sollen Menschen beispielsweise im gering betroffenen Schleswig-Holstein gelinder feiern, wenn in Berlin-Mitte das Infektionsgeschehen massiv ansteigt? Grundrechte dürfen nur im äußersten Notfall eingeschränkt werden, mit Blick auf die lokalen Zahlen, andernfalls sinkt die Akzeptanz rapide. Schon jetzt wächst die Kritik an den Einschränkungen täglich aus verschiedenen Lagern und verschiedenen Gründen.

Zudem könnte eine einheitliche Regelung – beispielsweise eine Festlegung auf 100 Personen – zu der Absurdität führen, dass sie in Berlin, Sachsen-Anhalt oder dem Saarland als massive Einschränkung, in Niedersachsen und Schleswig-Holstein, wo aktuell nur 50 Personen in geschlossenen Räumen feiern dürfen, jedoch als erstaunliche Lockerung wahrgenommen würde.

Doch was bringt die schärfste Regelung, wenn auch sie nicht eingehalten wird? Das eigentliche Problem sind die Menschen, die sich bewusst widersetzen, sichtbar an den Maskenverweigerern in U-Bahnen, an den Zusammenkünften Hunderter und Tausender auf Plätzen und Wiesen zum abstandslosen Feiern. Es braucht mehr Kontrollen und mehr Durchsetzungskraft auf lokaler Ebene. Die Länder müssen in ihrer Türsteherfunktion auf Festivitäten präsenter sein. Einheitlich kann demzufolge maximal eine Obergrenze sein, die genauen Zahlen müssen weiterhin der Einschätzung lokaler Behörden obliegen.