Meinungsfreiheit ist wichtig - aber darf man wirklich alles sagen?
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BerlinWir leben in einer Zeit starker Meinungen. Die politische Debatte wird häufig in scharfem Ton geführt, zum Beispiel vor Wahlen oder nach erschütternden Ereignissen wie dem Anschlag von Halle. Dank der sozialen Medien stehen heute viele Meinungen im öffentlichen Raum. Die Meinungsfreiheit ist also gewährleistet, oder? Unsere Experten diskutierten das Thema.

Der Staatsrechtler Hans-Jürgen Papier betonte, das Internet sei kein rechtsfreier Raum. „Was nötig ist, ist die vom Rechtsstaatsprinzip geforderte effiziente Durchsetzung geltenden Rechts“, forderte er.

Der Verleger Christioph Links sprach sich gegen ein generelles Verbot rechter Propaganda aus, denn dieses würde liberale Werte aushöhlen und langfristig gesehen zerstören.

BLZ/Tagesspiegel/BpB
30 Jahre Meinungsfreiheit

Vor 30 Jahren fiel die Mauer, aus der geteilten Stadt wurde ein geeintes Berlin. Gemeinsam mit dem Tagesspiegel und der Bundeszentrale für politische Bildung feiern wir die Meinungsfreiheit – mit guten Argumenten und großen Debatten. 


Die 15-jährige Emma de Bourdeille sagte, erst die Gegenposition führe ihr die eigene Ansicht vor Augen und animiere sie, diese zu prüfen. Dies Infragestellen sei wichtig, um Kompromisse zu finden.

Der ehemalige Lehrer Walter Bühler wies auf das Neutralitätsgebot der Journalisten hin. Diese sollten dem Leser Nachrichten übermitteln, keine Meinungen.

Rentnerin Brigitte Gloger schrieb darüber, dass ihre Meinungen häufig nicht ernst genommen wurden. Das habe sie manchmal verstummen lassen, doch es gebe ihr auch Kraft.


Das sind die Reaktionen der Leser


Meinungsfreiheit hat Grenzen

Meinungsfreiheit: in Deutschland heute normal, doch nicht in jedem Land. Auch hier hat die Regierung lange die Meinung des Volkes überwacht. Daher gilt es, dieselbe zu schützen. Doch sie hat Grenzen. Einerseits werden diese von der Verfassung festgelegt. Doch wir finden, es gibt auch inoffizielle Grenzen. Viel wird von "der Masse" vorgegeben. Mode kommt in Wellen, denen man sich beugen muss. Laurin Reimann, Hans Kulke, Odemar Bühn, Adolar Bühn, Lukas Simka (Carl-von-Ossietzky Gymnasium, Berlin)

Journalismus lebt nicht von "Meinungen"

(Zum Beitrag von Walter Bühler) Richtig so: Ein guter Journalismus lebt nicht von "Meinungen", sondern von "Tatsachen". Nur die Wahrheit ist interessant, der verbleibende Rest hingegen zweitklassig. Andrzej Madela via Facebook

Ärger über den „Ramsch“ in der Zeitung

Walter Bühler stimme ich aus vollem Herzen zu! Auch ich kaufe die Zeitung in erster Linie, um Fakten zu erfahren und ärgere mich täglich über die Fülle von Ramsch, der mitgeliefert wird. Mit „Ramsch“ meine ich nicht die wenigen Meinungsartikel, die zur Diskussion beitragen und anregen. Aber manche Artikel sind so unglaublich bedeutungslos, dass ich mich frage, welcher Zweck damit verfolgt werden soll. Elisabeth Gilka-Bötzow

Jugendliche werden von Influencern manipuliert

Meinungsfreiheit bedeutet, die eigene Meinung frei äußern zu können, solange diese nicht verfassungswidrig ist. Doch wegen der Digitalisierung wird es durch Anonymität immer schwieriger, die Grenzen der Meinungsfreiheit durchzusetzen. Vor allem Jugendliche werden in ihrer Meinung stark von Influencern manipuliert. Die Meinungsvielfalt ist also schützenswert. Maxi Schröder, Alicia Bürger, Lovis Otto, Lilly Hoffmann (Carl-von-Ossietzky-Gymnasium, Berlin)

Man sollte stets höflich und freundlich kommunizieren

Meiner Meinung nach, sollte man eigentlich immer freundlich und höflich miteinander umgehen. Das ist für alle das gesündeste. Sicher kann man eine Meinung haben und das sagt ja im Grundgesetz der Artikel 5, aber wie gesagt, man sollte immer auch - und damit meine ich alle Personen und Menschen, die mit einander vernetzt sind - das Niveau und Rechtliche im Auge behalten. Auch wenn es nicht immer jedem gelingen mag, sollte man stets höflich und freundlich kommunizieren. Thomas Schuh via Facebook

Debatten positiv beeinflussen

Es ist wichtig seine Meinung zu sagen, aber wenn, auch mit konstruktiver Kritik, nicht beleidigend und denunzierend. Meinungsäußerungen sollten zur Verbesserung von Situationen ausgedrückt werden, aber auch nur wenn man genügend Wissen zu dem zuständigen Gebiet besitzt. So können Debatten oder Diskussionen oft einen tollen Effekt für Verbesserungen im positiven Sinn haben. Torsten Maier via Facebook

Meinungsfreiheit ist wichtig für die Demokratie

Die Inanspruchnahme der Meinungsfreiheit ist Recht sowie Pflicht eines jeden Staatsbürgers und ist im GG festgehalten, wird jedoch begrenzt. Kunst und Meinung sind Grenzen gesetzt, sofern andere Aspekte des Rechts verletzt werden. Die Meinungsfreiheit ist wichtig für uns und unsere Demokratie. Wir sollten sie schützen, schätzen und gebrauchen. Lea Hackenbroich, Annika Kull, Carla Siepmann (Carl-von-Ossietzky-Gymnasium, Berlin)

Weniger Bild, mehr Information

Soll Herr Bühler halt weniger BILD & Co. lesen. Woanders bekommt er durchaus mehr Information und weniger als Information verkaufte Meinung. Mike Busse via Facebook

Man muss aufpassen, wen oder was man kritisiert

Je nach Position muss man schon aufpassen, welche Meinung man hat und wen oder was man kritisiert. Auf Facebook gibt‘s Parteien, wenn man dort Kritik übt bzw. eine andere Meinung hat, bekommt man keine Antwort oder wird sogar gesperrt. Wenn dann noch im täglichen Leben Mehrheiten ignoriert werden... Michael Moll via Facebook

Meinungsfreiheit bringt Konflikte und Fake News

Die Bevölkerung Deutschlands hat das Recht, ihre Gedanken frei zu äußern, ohne verurteilt zu werden. Somit ist die Meinungsfreiheit die Grundlage der Demokratie, wofür Toleranz und Respekt von Nöten sind. Sie bringt viele Konflikte und Fake News mit sich. Aus diesem Grund setzt die Verfassung bestimmte Grenzen. Doch unserer Meinung nach, sollten veröffentlichte Inhalte noch mehr kontrolliert werden. Louisa Richter, Lucie Korpys, Lukela Misgeld, Marie Graf, Merle Glück (Carl-von-Ossietzky-Gymnasium, Berlin)

Niemandem muss zugehört werden

(Zum Beitrag von Brigitte Gloger) Was ist das jetzt für ein Quatsch? Freie Meinungsäußerung und das Ignorieren, also Nichtzuhören bei einer Meinungsäußerung, das sind doch zwei verschiedene Dinge. Niemandem MUSS zugehört werden. Gerald Fels via Facebook

Anonymität im Internet führt zu verfassungswidrigen Kommentaren

In Deutschland hat jeder das Recht seine Meinung zu äußern und zu veröffentlichen. Allerdings existieren auch Grenzen die es nicht zu überschreiten gilt. Jedoch ist es im Internet schwierig die Grenze zwischen Meinung und Beleidigung zu ziehen. Hinter dem Deckmantel der Anonymität kommt es oft zu verfassungswiedrigen Kommentaren. Das muss bekämpft werden. Ruby Panke, Charlotte Nyhues (Carl-von-Ozzietky-Gymnasium, Berlin)