Datingportale für spezielle

Es ging los mit einem Gag. Bartträger und Leute, die den Fahrdienst Uber nutzen, wollte der Brite John Kershaw im Oktober 2014 zusammenbringen. Er fand die Idee witzig, mehr nicht. Als dann die Leute anfingen, sich auf der Fake-Seite im Internet anzumelden, überlegte sich Kershaw, dass er ganz schnell eine richtige App entwickeln müsse. So ging es los. Inzwischen suchen 150.000 Menschen pro Monat auf Bristlr nach Beziehungen zu Männern mit Bart.

„Menschen mögen Ähnlichkeit“

Besonders im angloamerikanischen Raum bieten Online-Portale ihre Dienste immer spezielleren Kleingruppen an. Nischen-Dating nennt sich der neue Trend, der Großgewachsene, Katzenbesitzer oder Anhänger des gebratenen Specks gezielt zusammenbringen will.

Und die Suchenden haben dabei nicht einmal wenig Auswahl: So sind über 2,5 Millionen aktive User von millionairematch.com an wohlhabenden Partnern interessiert oder durchforsten mehr als 135.000 Singles uniformdating.com nach beziehungswilligen Polizisten, Feuerwehrleuten oder Krankenschwestern.

Im Vergleich zu den großen US-Datingseiten wie Match (über 35 Millionen monatliche Besucher), Zoosk (11,5 Millionen) oder eHarmony (sieben Millionen) sind das zwar immer noch eher kleine Gemeinschaften; die wachsende Anzahl an Nischen-Plattformen schafft – zumindest im englischsprachigen Raum – aber ständig neue Alternativen.

Kuriose Portale für Anhänger scharfer Soßen

Noch ein paar kuriose Beispiele: Vertreter eines glutenfreien Lebensstils (www.glutenfreesingles.com), die Anhänger scharfer Saucen (www.hotsaucepassions.com) oder solche mit Lebensmittelallergien (www.singleswithfoodallergies.com) versprechen, dass man mit ihnen gezielt den Partner fürs Leben findet.

Das steigende Interesse an der Nischensuche finden auch Unternehmen reizvoll. So bietet die New Yorker Lebensmittel-Kette Just Salad mit saladmatch.com ihren Kunden jetzt die Möglichkeit, kompatible Lunchpartner für die Mittagszeit zu finden; hat der US-Fleischhersteller Oscar Mayer soeben die „Sizzl“-App gelauncht, in der sich Bacon-Anhänger suchen, finden und bewert

Praktisch! Pia und Dale vertragen beide kein Gluten

Nicht alles, was auf den ersten Blick bizarr anmutet, ist es auch. Pia Strobel, 49, und Dale Graff, 47, haben sich über eine dieser Nischen-Seiten kennengelernt. „Eigentlich war ich nur auf der Suche nach neuen Restaurants, als ich über glutenfreesingles.com stolperte“, sagt Strobel. Dort traf sie auf Dale, den Freunde bearbeitet hatten, sich anzumelden, statt in Depressionen über seine Zöliakie zu versinken. Ende 2013 begegneten sich die beiden Amerikaner online, im Januar 2014 im echten Leben, und für den 26. August dieses Jahres ist die – natürlich glutenfreie – Hochzeit geplant. „Es ist einfach so viel leichter, jemanden zu daten, der eine ähnliche Unverträglichkeit hat oder zumindest bereit ist, sich auf diesen Lebensstil einzulassen“, sagen beide.

Aber auch abseits gesundheitlicher oder beruflicher Notwendigkeiten gibt es Gründe für den Boom. Kevin Lewis, Soziologe an der University of California, erklärt: „Grundsätzlich mögen Menschen Ähnlichkeiten, und damit gibt es einen Markt für solche Seiten“, so Lewis, der unter anderem zum Thema Online-Dating geforscht hat. „Da der allgemeine Markt so gesättigt ist, liegt die Idee, Nischen-Plattformen zu gründen, nahe.“ In Deutschland sind es etwa 20 Prozent, die Online-Dating zeitgemäß finden.

Nerd sucht Nerd, Hipster sucht Hipster

Außerdem spielt das Thema Effizienz eine wachsende Rolle, immer weniger Menschen sind bereit, unendlich viele und zumeist erfolglose Dates zu absolvieren. In Deutschland ergab eine Umfrage vor einiger Zeit, dass 54 Prozent der Singles im Alltag nicht genug Gelegenheiten finden, einen Partner kennenzulernen.

Damit ein App-Anbieter erfolgreich ist, muss eine gewisse Relevanz oder kritische Masse erreicht sein, ergänzt Lewis: „Eine Seite für Bananen-Freunde wird es eher nicht geben“, prognostiziert er, „und wenn ich eine Vorliebe für Menschen mit einer speziellen Haarfarbe haben sollte, ist man bei der Suche wohl allein aufgrund der Masse auf einer der großen Webseiten besser aufgehoben als auf einer für beispielsweise blonde Menschen.“

Diese Einschätzung teilt auch Bristlr-Erfinder Kershaw: „Auch wenn Nischen-Dating nicht die Zukunft des Datens sein wird, so wird es aber ganz sicher ein wichtiger Teil davon bleiben“, ist der bärtige Brite überzeugt.