Zum Artikel: „30 Jahre später und schon wieder alles anders?“ (31. Dezember/1. Januar) schreiben uns die Leser.

Ihr vorstehender Artikel hat mich sehr beeindruckt. Nach der Wende durfte ich am Aufbau des Landgerichts Meiningen als Organisationsbeauftragter der Landesgerichtspräsidentin mitwirken. Da ich auch noch als Prüfungsbeamter tätig war, musste ich zur Kenntnis nehmen, dass nicht nur viele Bürger, sondern auch sonst die ehemalige DDR in vielen Bereichen zunächst ausgeplündert worden sind.

Egon Krenz, dem wir in erster Linie zu verdanken haben, dass es zu einer friedlichen Lösung kommen konnte, wurde nicht nur nach meiner Meinung, durch ein Unrechtsurteil verurteilt, obwohl das Landgericht Berlin seine Leistungen beim friedlichen Übergang 1989 in seinen Urteilsgründen zugeben musste.

Sie sind der zweite Herausgeber einer bedeutenden Zeitung, der dies erkannt und öffentlich gemacht hat. Frank Schirrmacher, der Herausgeber der FAZ, hat dies zum 20. Jahrestag des Mauerfalls ausführlich dargestellt. Sein Artikel ist heute noch im Internet nachzulesen. Auch ein bedeutender Politiker, der Ziehsohn von Franz Josef Strauss, Peter Gauweiler, vertritt seit Jahren die gleiche Meinung und vertritt diese in aller Öffentlichkeit.

Ihnen möchte ich zu Ihrem Mut herzlich gratulieren und ebenso herzlich danken.   

Werner Heinlein, München

Das ist das Beste, was ich seit Jahren gelesen habe. Dieser Beitrag entschädigt für viele systemkonforme Anbiederungen und lässt mich dabeibleiben. Voller Hoffnung.     

Andrej Weiß

Sehr guter Artikel!! Aber übertreibt es bitte nicht mit einer E.-Krenz-Freundlichkeit. Das trübt etwas die Seriosität, auch wenn er natürlich absolut genauso ein Recht auf Lesermeinung hat.

Man dankt Diktatoren nicht, wenn sie dann, wenn die Stimmung schon gedreht hat und die Machtverhältnisse sich geändert haben, plötzlich eine vorsichtigere Gangart einschlagen. Danken kann man Michael Gorbatschow, und zwar gar nicht oft genug!!!

Ohne ihn wären wir der chinesische Lösung sehr wahrscheinlich ausgesetzt gewesen. 

Torsten Schlüter

Ihr Herausgeber Friedrich sollte sich mal überlegen, ob er wirklich objektiv ist. Auch ich finde es abartig, dass ehemalige Nazis nicht genügend verurteilt, sondern gefördert wurden. Er hat offenbar übersehen, dass viele Generäle und Offiziere der Volksarmee bei der Gründung auch ehemalige Nazis waren. Den Soldaten an der Grenze das Bundesverdienstkreuz zu überreichen, da denkt er noch an Held der Arbeit, Aktivist u.dgl.

Als kritischer Mensch gefällt mir auch manches nicht, aber als Ex-Ossi, dem aus politischen Gründen in der DDR Weiterbildung verweigert wurde und der das im Westen nachholen konnte, sehe ich die Heldentaten der Soldaten an der Grenze auch als Angst vor der Reaktion der (in Wirklichkeit sehr friedlichen) DDRler an der Grenze.

Was er Herrn Buhrow vorwirft, macht er selber.                                                                     

 Rainer Trausch

Sehr geehrter Verleger, sehr geehrter Herr Friedrich,

dieser Artikel ist ein Quantensprung zurück in die Befeuerung alter Vorurteile zwischen Ost und West und der Versuch, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk massiv zu diskreditieren.

Warum tun Sie das? Was steckt hinter dieser Attacke? Ihr Artikel offenbart eine geistige Grundhaltung, die mich erschreckt.

Sie stimmen als Verleger in den Chor derer ein, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk unbedingt beschneiden, beschädigen oder besser noch gleich ganz abschaffen wollen. Zur Einordnung. Ich arbeite seit knapp 20 Jahren gern für den RBB als freier Mitarbeiter, weil ich von der journalistischen Qualität im öffentlichen Rundfunk und der Notwendigkeit eines unabhängigen und auch gebührenfinanzierten Journalismus überzeugt bin.

Viele Länder weltweit beneiden uns um unsere freie und vielfältige Presselandschaft, zu der ja auch der Berliner Verlag gehört.

Daran in diesem Ton verbal die Axt zu legen, ist genau das, was Sie dem „Westen“ tatsächlich vorwerfen. Eine bewusste Stigmatisierung, die gewissen politischen Kräften in Deutschland in die Hände spielt.

Die Haltung, die ich aus Ihrem Artikel herauslese, lautet für mich so: 30 Jahre mussten wir Eure Kritik einstecken – jetzt seid ihr mal dran. Die Öffentlich-Rechtlichen als Buhmann für das aus Ihrer Sicht „westdeutsche Establishment“ vorzuführen, denen es jetzt aber mal so richtig gezeigt werden soll.

Wenn das der Grund für die Gebührendebatte ist, dann ist es tatsächlich schwierig, eine Sachdiskussion über Reformen zu führen.

Mich haben Sie als Leser verloren.                                                                                                 

Thomas Weber

Ich weiß nicht, ob die Offiziere von der Bornholmer Brücke das Bundesverdienstkreuz annehmen sollten. Ich weiß aber, dass sie – wie Tausende andere Mitarbeiter des MfS, des Wachregiments „Feliks Dzierzynski“, andere Angehörige des öffentlichen Dienstes der DDR, Minister u. a. – eine Strafrente erhalten, wie sie der Nazi-Staat praktizierte. Ohne Beurteilung eines möglichen Verstoßes gegen Gesetze wurde im Rundumschlag jeder dieser Menschen, ob General, Koch, Kindergärtnerin, Bibliothekarin oder Reinemachfrau ... bedacht.

Nicht nur die SS-Generale a. D. erhalten ihre Staatsrente, auch SS-Angehörige im Baltikum, in den Niederlanden, in Belgien, Norwegen ... erhalten vom Außenministerium regelmäßig ihre Zahlungen.

Wussten Sie, Herr Friedrich, dass nach dem Beitritt der DDR zur BRD auch viele inhaftierte Nazi-Verbrecher aus den Strafanstalten der DDR entlassen wurden und (natürlich) Haftentschädigungen für das in der DDR, dem Unrechtsstaat, erlittene Unrecht erhielten? So z. B. die KZ-Aufseherin Margot Pietzner, der 64.350 DM gezahlt wurden. Da ging die „Prüfung und Zuerkennung“ in 14 Tagen über die Bühne, während die „Fremdarbeiter-Ost“ oder die, die in den Ghettos arbeiten mussten, jahrelang warteten oder zu großen Teilen ganz abgelehnt wurden, weil in den vielen Jahren nicht die geforderten Papiere vorhanden waren.

Es fehlt noch viel an korrekter Aufarbeitung des Unrechts, das viele DDR-Bürger vor allem auch finanziell erlitten haben und noch erleiden müssen, ohne das sich Politik und Justiz dafür interessieren.

Für 2021 wünsche ich Ihnen eine glückliche Hand bei der Entwicklung der Berliner Zeitung und uns Lesern Journalisten, die die Probleme dieses Landes und seiner Menschen klug bearbeiten.                                                                                                                     

Peter Jäger, Berlin

Lieber Holger Friedrich,

großen Dank für die Klarstellung, wo es im Getriebe Deutschlands knirscht. Ihre Worte werden ein zustimmendes Echo in den Herzen in Ost und West finden, sicher auch ideologisch motivierte Reaktionen.                                                                                                             

Ruth und Günter Buhlke