Dresden - „Merkel muss weg!“, hat er oft genug gebrüllt. Aber nun soll er selbst verschwinden: Lutz Bachmann, 45 Jahre alt, auf Teneriffa lebender Anführer der Dresdner Wutmenschenbewegung Pegida, steht nach Ansicht von Teilen der AfD einer engen Zusammenarbeit mit Pegida im Weg. „Herr Bachmann ist ein mehrfach verurteilter Straftäter und er ist kein Ansprechpartner für die AfD. Von daher kann ich nur sagen, ich warne davor, dass man mit so einem Mann überhaupt verhandelt“, meinte Georg Pazderski, stellvertretender AfD-Bundesvorsitzender und Landeschef in Berlin, am Montag im Deutschlandfunk. Die Frage ist jedoch, ob Pazderski, der zum gemäßigten Teil der 2013 gegründeten Partei gerechnet wird, mit seiner Haltung eine Mehrheitsmeinung widergibt. Innerhalb der AfD ist eine heftige Debatte darüber ausgebrochen, wie man mit Pegida und seiner Führungsriege umgehen soll. Einerseits ist alles klar: Als Frauke Petry noch Parteichefin war, gab es noch eine deutliche rote Linie. Im Mai 2016 hatte die AfD entschieden, dass AfD-Mitglieder nicht bei Pegida auftreten sollen. Auch Redeauftritte von Pegidisten bei der AfD sollte es nicht geben.

Pegida und AfD nebeneinander

Andererseits gilt der Beschluss im Grunde heute noch, wird aber nicht mehr eingehalten. In Dresden, wo Pegida 2014 gegründet wurde und seinen Höhenflug erlebte, gab es längst Veranstaltungen an der Frauenkirche mit Bühnen von Pegida und AfD direkt nebeneinander, auf denen dann nacheinander Reden gehalten wurden, denen dasselbe Publikum lauschte. Die Nähe ist da, in Sachsen gibt es keinen Graben zwischen AfD und Pegida. Auf dem politischen Aschermittwoch der AfD in Pirna tauchte Pegida-Anführer Bachmann auf und stelle sich neben den sächsischen AfD-Vorsitzenden Jörg Urban, der im Sommer 2019 eine Landtagswahl in Sachsen gewinnen will und dazu die Unterstützung von Pegida gut gebrauchen kann. Eine Kooperation könne er sich auch gut vorstellen, sagte Urban. Sachsens AfD ist längst dafür, den Schein-Abstand zu Pegida nun auch tatsächlich abzuschaffen. Unterstützung bekommen sie von Rechtsaußen wie dem Sachsen-Anhalter André Poggenburg, der angeblich das Kooperationsverbot im März aufheben lassen will. Und dem Thüringer Björn Höcke, der in Pirna als Redner auftrat: „Ich grüße Pegida!“

Einer endgültigen Verschmelzung von AfD und Pegida stehen nur noch taktische Bedenken in der Bundesparteiführung und eine Personalie entgegen: Soll man auf Pegida und Lutz Bachmann zugehen, einen mehrfach vorbestraften Drogendealer, Einbrecher und Volksverhetzer, der sich als Abendlandsretter aufspielt, aber nicht einmal seinen Unterhaltspflichten für seinen Sohn nachkam? Könnte ja vielleicht abschreckend wirken auf Wähler bürgerlicher Kreise und Prozente kosten. Aber wie auf Pegida zugehen mit einem Mann wie Bachmann an der Spitze, ohne sich schmutzig zu machen?

Meuthen will mit Bachmann nichts zu tun haben

Jörg Meuthen und Alexander Gauland, die AfD-Parteichefs, liebäugeln offensichtlich mit der Aufhebung des Kooperationsverbots. Und sie wären dankbar, wenn Pegida von selbst auf die Idee käme, sich von Bachmann zu trennen. Meuthen hat für Dresden Lockerungen angedeutet: „Wenn es in Richtung Landtagswahl geht, dann ist es vielleicht nicht klug, an dem Kooperationsverbot festzuhalten,“ so Meuthen gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Mit Bachmann aber will er nichts zu tun haben. Mit ihm „können wir uns keine Kooperation vorstellen", das „wurzelt in der Person Bachmann", hatte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung kürzlich mitgeteilt. Gauland sieht es ähnlich: Pegida, in Ordnung. Nur, meinte er im Stern, wäre es klug von Pegida, „wenn Herr Bachmann aus dem Schaufenster der Bewegung verschwindet". Da sind sich die beiden Herren ausnahmsweise mal einig mit der ehemaligen, verstoßenen Vorsitzenden Frauke Petry, die keinen Fuß auf ein Pegida-Podium gesetzt hat, so sehr Bachmann auch um ihre Gunst bettelte.

Bachmann weiß, was sich gerade um ihn herum zusammenbraut. Er wird um seinen Einfluss kämpfen und denkt gewiss nicht daran, Meuthen und Gauland den Gefallen zu tun und sich aus Pegida zu verabschieden. Er ist gerade viel in Ostdeutschland unterwegs, zeigt sich in der rechten Szene, tritt in Cottbus auf, war in Berlin beim „Frauenmarsch“. „Pegida gibt es in dieser Konstellation, wie sie jetzt ist, oder gar nicht", teilte er via Facebook mit. Denn ohne Pegida wäre er auf einen Schlag ein bedeutungsloser Mann.