Ab in den Urlaub oder in den ersten Stau.
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Wenn Menschen über ihren Biorhythmus sprechen, meinen sie die eigene Leistungsfähigkeit am frühen Morgen oder spätabends. Im Tierreich kommt die jahreszeitliche Komponente hinzu.

Die Bayern scheinen so etwas wie die Bären unter den Bundesbürgern zu sein – zumindest was die Abhängigkeit von den Jahreszeiten angeht. Laut Ministerpräsident Markus Söder (CSU) können die Menschen zwischen Berchtesgaden und Würzburg im August gar nicht anders, als Urlaub zu machen. „Wir haben unseren Biorhythmus mit den Ferien – den wollen wir gern behalten“, sagte er am Mittwochabend in München. Er verteidigte damit eine bayerische Sonderregel, die den anderen Bundesländern ein Dorn im Auge ist.

Michael Müller ist sauer

Mit Ausnahme von Bayern und Baden-Württemberg nehmen alle Bundesländer an einem „rollierendem System“ teil, das dazu führt, dass die großen Ferien mal eher und mal später anfangen. Ziel dieser Regelung ist es, die Urlaubssaison zu verlängern. Hoteliers und Vermieter von Ferienwohnungen profitieren davon genauso wie Reisende, denen noch schlimmere Staus erspart bleiben.

Im Prinzip stellt niemand den Sinn dieser Regelung infrage. Hamburg und Berlin machen sich aber für eine Reform stark. Sie wollen, dass die Sommerferien generell erst ab 1. Juli beginnen und die Termine der Länder enger zusammenrücken.

Den Deutschen außerhalb Bayerns und Baden-Württembergs blieben so die unbeliebten Juni-Termine erspart, außerdem würden die jährlichen Verschiebungen in den Schuljahren geringer ausfallen. Doch die Südländer wollen an ihren Privilegien festhalten. Und da frühere Ausreden wie Erntezeit und späte Pfingstferien nicht mehr so recht funktionieren, muss nun der bayerische Biorhythmus herhalten.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte im Deutschlandfunk: „Es kann nicht sein, dass einige glauben, Föderalismus ist dazu da, dass sie einfach ihre Eigeninteressen durchsetzen können.“ Er sei sauer. Irgendwann müsse man auch mal über Konsequenzen nachdenken.

Der Chef des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, kann über die bayerischen Extrawürste nicht lachen. „Herrn Söder sei gesagt: Nicht nur die Menschen in Bayern, sondern auch in anderen Ländern haben einen Biorhythmus und Vorlieben, was die Ferien angeht“, sagte Beckmann der Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk Deutschland). Im Föderalismus müsse jeder mal zurückstecken.. „Bayern als Feriengebiet profitiert doch auch davon, dass nicht alle gleichzeitig Ferien haben.“

Hamburg droht mit Alleingang

Darauf könnte es hinauslaufen, falls sich Söder weiter bockig zeigt. Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe hat bereits gedroht, am Ende könnte jedes Land im Alleingang seine Ferientermine festlegen – wenn die Bayern nicht verhandeln wollen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ruft zur Ordnung. „Die Bayern sollen gefälligst mit den anderen Ländern kooperieren“, sagte Ilka Hoffmann, die als Vorstandsmitglied für das Thema Schule zuständig ist. „Es geht nicht an, dass die einen sich immer die attraktivsten Termine raussuchen – und die anderen sich daran anpassen müssen“, sagte Hoffmann. Das sei wie im Klassenraum, es könne nicht jeder machen, was er will. Hoffmann fügte hinzu: „Wenn die Bayern auf stur schalten, dürfen sie sich nicht wundern, wenn sie im Stau stehen.“