Demonstranten in der Nähe der Hong Kong Polytechnic University im Bezirk Kowloon suchen Schutz hinter Regenschirmen.
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HongkongDas Tauziehen um die Belagerung einer Hochschule in Hongkong dauert an: Rund 100 Studenten hatten sich am Dienstag den dritten Tag in Folge in der von Polizeikräften abgeriegelten Polytechnischen Uni verbarrikadiert. ARD-Korrespontentin Ruth Kirchner berichtete vor Ort, die Hälfte der verbliebenen Aktivisten hätte am Dienstagvormittag schließlich aufgegeben. Regierungschefin Carrie Lam appellierte vergeblich an an die Aktivisten der Demokratiebewegung, sich zu ergeben. 

Die Polizei hatte zuvor innerhalb von 24 Stunden knapp 1000 Menschen festgenommen, darunter auch zahlreiche Demonstranten, die aus der von Sicherheitskräften eingekesselten Universität geflüchtet waren. In ihrer ersten öffentlichen Erklärung zur Besetzung der Polytechnischen Universität sagte Regierungschefin Lam, die Demonstranten müssten „die Gewalt stoppen, die Waffen abgeben und friedlich herauskommen und die Anweisungen der Polizei entgegennehmen“.

Regierungschefin Lam: Chinesische Truppen werden derzeit nicht in den Konflikt eingreifen

Unter 18-Jährige würden nicht festgenommen, ältere Demonstranten müssten sich aber dem Vorwurf der Unruhestiftung stellen. Lam versuchte Befürchtungen zu zerstreuen, chinesische Truppen könnten in den Konflikt in der Sonderverwaltungszone eingreifen. Dazu gebe es derzeit keine Notwendigkeit, so Lam. In den vergangenen Tagen waren erstmals Soldaten der chinesischen Volksbefreiungsarmee in Hongkongs Straßen aufmarschiert, um nach den Protesten am Wochenende beim Freiräumen der Straßen zu helfen. 

Demonstranten seilen sich von einer Fußgängerbrücke an der besetzten Hong Kong Polytechnic University ab, um auf wartenden Motorrädern der Polizei zu entkommen.
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Demonstranten hatten sich am Sonntag in der Universität auf der Halbinsel Kowloon verschanzt. Mit Pfeil und Bogen, Molotowcocktails und Steinschleudern versuchten sie, Polizisten abzuwehren. Die Sicherheitskräfte drohten im Gegenzug mit dem Einsatz scharfer Munition. Laut Informationen der Hongkonger Tageszeitung South China Moning Post hatte die Polizei allein am Montag 1458 Tränengaskartuschen, 1391 Gummigeschosse sowie andere vermeintlich nichttödliche Munition verfeuert. 

Polizisten schlugen auf am Boden liegende Demonstranten ein

Rund um die Universität spielten sich am Montagabend dramatische Szenen ab. Einige Demonstranten entkamen der Polizei, indem sie sich am Montagabend von einer Fußgängerbrücke auf eine Straße abseilten, wo sie von Motorradfahrern abgeholt wurden. Andere suchten gewappnet mit Atemmasken und Schutzbandagen an den Knien über die Kanalisation nach einem Ausweg vorbei an der Polizei. Zehntausend Menschen strömten zur Polytechnischen Universität, um die Sicherheitskräfte in Schach zu halten. Im Bezirk Kowloon kam es zu Zusammenstößen mit Einsatzkräften. Aufnahmen zeigten, wie Polizisten auf am Boden liegende Demonstranten einschlugen.

Innerhalb von 24 Stunden seien in ganz Hongkong rund 1000 Menschen festgenommen worden, sagte der Polizei-Vertreter Kwok Ka Chuen am Dienstagnachmittag. Das entspricht etwa einem Fünftel der Festnahmen seit Beginn der Proteste im Juni. Unter den Festgenommenen waren demnach auch einige Demonstranten, die sich von der Brücke abgeseilt hatten, sowie Motorradfahrer, die ihnen zu Hilfe gekommen waren. Anders als Regierungchefin Lam betonte Kwok, dass alle Demonstranten „unabhängig von ihrem Alter und ihren Motiven die Konsequenzen ihres Handelns tragen“ müssten.

Verbleibende Aktivisten sind entschlossen, weiter zu kämpfen

Verwandte einiger der immer noch in der Hochschule verschanzten Demonstranten versammelten sich zu einer Mahnwache vor der Universität. Eine Frau, die ihren Namen als Cheung angab, sagte, sie habe die Nacht in einem Park in der Nähe einer Polizeiabsperrung verbracht. Sie warte auf eine Nachricht ihres erwachsenen Sohnes, der als Ersthelfer auf den Campus gekommen sei. „Er hat Angst. Er hat Angst davor, von der Polizei festgenommen zu werden“, sagte Cheung. Die Zahl der Demonstranten in der Universität sank deutlich.

Bereitschaftspolizisten leuchten in der Nähe der Hong Kong Polytechnic University mit Taschenlampen in die Nacht.
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Über die Zahl der verbliebenen Aktivisten kursierten am Dienstag unterschiedliche Zahlen. AFP-Reporter vor Ort gingen weiterhin von rund 100 verbliebenen Demonstranten aus. Die South China Morning Post sprach am späten Dienstagabend von 60 bis 100 verbliebenen Aktivisten. Viele von ihnen zeigten sich entschlossen, weiter zu kämpfen. „Auch wenn wir uns ergeben, werden sie uns ins Gefängnis stecken“, sagte ein Student namens Matthew. Die Volksrepublik China bekräftigte derweil ihren Anspruch auf die alleinige Entscheidungsgewalt über Hongkongs Verfassung.

Der chinesische Volkskongress sei die einzige Institution, die Entscheidungen über die Verfassung der Sonderverwaltungszone treffen könne, sagte Parlamentssprecher Zang Tiewei laut staatlichen chinesischen Medien am Dienstag. Hintergrund ist das Urteil des Obersten Gerichts in Hongkong, das das von der Hongkonger Regierung verhängte Vermummungsverbot am Montag aufgehoben hatte. Zang betonte, das Urteil habe Hongkongs Regierungschefin Lam und die Stadtregierung „stark geschwächt".