Demonstration: Beim „March for Science“ gehen weltweit zehntausende Menschen auf die Straße

Sydney/London - Die wachsende Sorge vor einer zunehmenden Einschränkung der Wissenschaft hat weltweit zehntausende Menschen zum „March for Science“ auf die Straße getrieben. In Berlin demonstrierten am Samstag nach Angaben der Polizei mehrere tausend Demonstranten für die Freiheit der Wissenschaft.

Die zentrale Veranstaltung war in der US-Hauptstadt Washington geplant, wo die Demonstranten zum Kapitol ziehen wollten. Nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump wächst vor allem in den USA die Angst vor einer neuen Ära der „alternativen Fakten“. Aber auch in anderen Ländern wie beispielsweise der Türkei und Ungarn wird die freie Wissenschaft immer stärker eingeschränkt.

Auftakt in Australien und Neuseeland

Zum Auftakt der weltweiten Proteste versammelten sich in Australien und Neuseeland zehntausende Demonstranten. „In diesen Tagen gibt es so viele 'Fake News'“, sagte die Demonstrantin Parissa Zand, die in Sydney mit ihrer Mutter an dem Marsch teilnahm. Deshalb sei es „wichtig, daran zu erinnern, dass Wissenschaft die Gesellschaft aufgebaut hat, wie wir sie kennen.“

In der australischen Metropoletrugen zahlreiche Demonstranten weiße Laborkittel, auf Spruchbändern war zu lesen: „Ohne Wissenschaft ist alles nur Fiktion“ sowie „Wir brauchen Denker, keine Leugner“. Weitere Kundgebungen gab es auch in Melbourne, Brisbane, Perth und in den neuseeländischen Städten Wellington und Auckland. Weltweit wurden Demonstrationen in mehr als 600 Städten erwartet.

11.000 Demonstraten gingen in Berlin auf die Straße

In Berlin liefen die Teilnehmer von der Humboldt-Universität über den Boulevard Unter den Linden bis zum Brandenburger Tor. Die Veranstalter schätzten die Teilnehmerzahl auf 11.000, die Polizei sprach von mehreren tausend Demonstranten. „An der Freiheit der Wissenschaft lassen wir nicht rütteln“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), der auch Senator für Wissenschaft und Forschung ist, bei der Kundgebung in der Hauptstadt. „Wir werden all denen entschlossen entgegen treten, die diese Freiheit gefährden wollen.“ In Deutschland waren zudem Kundgebungen in Bonn, Köln, Dresden, Frankfurt, Freiburg, Göttingen, Greifswald, Hamburg, Heidelberg, Jena, Leipzig, München, Stuttgart und Tübingen angemeldet.

Auch zahlreiche Wissenschaftler in Großbritannien haben sich am weltweiten „March for Science“ beteiligt. Viele Demonstranten in London machten am Samstag vor allem ihrem Ärger über den geplanten EU-Austritt Luft. Sie befürchten, dass der Brexit internationalen Forschungsprojekten schaden könnte und Experten unter den EU-Ausländern dem Land künftig fernblieben. Die Brexit-Verhandlungen mit Brüssel beginnen im Juni. Die Rechte der EU-Ausländer gehören dabei zu den Top-Themen.

Aktion soll Bewusstsein für Wichtigkeit der Forschung schaffen

Nach den Worten des Geophysikprofessors Peter Schlosser von der New Yorker Columbia Universität soll der weltweite „March for Science“ ein Bewusstsein dafür schaffen, wie wichtig Forschung für die Zukunft der Gesellschaft ist. Die von der neuen US-Regierung geplanten Budgetkürzungen, die noch vom Parlament beschlossen werden müssen, würden in gravierendem Ausmaß sowohl Klima- und Umweltforschung als auch Forschung im Bereich der Gesundheit betreffen, warnte der Leiter des Departments of Earth and Environmental Engineering im Deutschlandradio Kultur.

Laut Schlosser will die US-Regierung bei der Gesundheitsbehörde 18 Prozent einsparen und bei der Umweltbehörde sogar 31 Prozent. Das schlage sich unmittelbar auf die Stärke der Forschung nieder, sagte der Wissenschaftler. Er rechne damit, dass die Forschung „über Jahre bis Jahrzehnte daran knabbern“ werde. (afp/dpa)